The Voyage

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10/2008
The Voyage

Eine Fahrt durch den dichten Wald

Der Familienpark Holiday World bei Santa Claus, Indiana (USA) ist vor allem bekannt durch seine Holzachterbahnen, welche zu den Besten der Welt gehören. Alles begann mit The Raven, welcher seit 1995 die mutigen Fahrgäste mit auf einen kurzen, aber knackigen Ritt durch den Wald nimmt und sofort die Parkbesucher begeisterte. Im Zuge der kontinuierlichen Erweiterung des Freizeitparks folgte mit The Legend im Jahre 2000 die nächste Holzachterbahn, die in Sachen Höhe und Länge den älteren Bruder nebenan locker in den Schatten stellt. Nach einigen Jahren war die Zeit schließlich reif für die nächste, nochmals größere Achterbahn: Zur Saison 2006 eröffnete The Voyage und ist ein Bestandteil der bislang größten Erweiterung des Freizeitparks. Ein komplett neuer Themenbereich dient als Startpunkt der Bahn, welche von den Zahlen her ihre beiden Vorgänger ohne Probleme übertrumpfen kann. Doch kann sie auch beim Fahrspaß die sehr hohen Erwartungen erfüllen?

The Voyage
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Der Themenbereich Thanksgiving

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The Voyage erklimmt den Lifthill

The Voyage ist die erst zweite Achterbahn des Herstellers The Gravity Group und wurde in einer Hybrid-Bauweise realisiert: Die Struktur der Bahn ist aus Stahl, die eigentliche Fahrtstrecke wie bei einer reinen Holzachterbahn aus Holz gefertigt. Durch diese Bauweise bleiben die typischen Fahreigenschaften einer Holzachterbahn erhalten, jedoch sind die Wartungskosten aufgrund der wartungsfreundlichen Stahlstruktur deutlich geringer. Die drei Züge mit je 7 Wagen stammen von Philadelphia Toboggan Coasters, einem traditionsreichen Hersteller von Achterbahnzügen. Die technischen Daten von The Voyage versprechen einiges: Die Bahn erreicht eine Höhe von knapp 50 Metern und nach dem ersten Sturz eine Geschwindigkeit von 108 km/h. Auf der mit 2 Kilometer sehr langen Strecke warten mehrere Tunnels, drei um 90° geneigte Steilkurven und insgesamt 24,2 Sekunden pure Airtime - Weltrekord für eine Holzachterbahn. Von alldem sehen wir jedoch so gut wie gar nichts, während wir dem neuen Themenbereich Thanksgiving immer näher kommen, in welchem die Station der Holzachterbahn zu finden ist. Am Ziel angekommen zieht vor allem der hohe Lifthill die Blicke auf sich - ansonsten sehen wir neben ein paar Kurven nur die Schlussbremse, die prominent direkt über dem Eingang zum Themenbereich platziert wurde. Alle paar Minuten donnert ein weiterer Zug mit seinen schreienden Fahrgästen die letzten Meter am Rand des Themenbereichs entlang und in die Bremse hinein. Der Großteil der Strecke bleibt uns jedoch weiterhin verborgen und versteckt sich den Tiefen des Waldes, der sich dem Themenbereich direkt anschließt und für Besucher nicht zugänglich ist. Ohne die Möglichkeit, die Bahn zuvor abzuschätzen, wagen wir also die Fahrt ins Ungewisse und betreten gespannt die Warteschlange zu The Voyage. Schon bald stehen wir in der Station, die typisch für den Park als ein größeres Holzhaus gebaut wurde. Die Besucher im ankommenden Zug jubeln und klatschen wie im Rausch - die Fahrt scheint auf jeden Fall etwas Besonderes zu sein. Kaum sind sie ausgestiegen, dürfen wir endlich unsere Plätze einnehmen, den Gurt anziehen und den Sicherheitsbügel schließen. Es kann losgehen!

The Voyage

Der erste Camelback - Airtime satt!

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Nach dem dritten Tunnel

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Atemlos durch die 90° steile Kurve

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Wilde Umschwünge vor dem vierten Tunnel

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Weiter durch das Kurvenlabyrinth

Langsam rollt unser Zug aus der Station. Nach einer kurzen Geraden knickt die Strecke nach unten ab und wir unterqueren einen noch folgenden Streckenteil, um danach auf den Lifthill aufzufahren. Gerade in diesem Augenblick hören wir immer näher kommende Schreie und ein anderer Zug rattert mit hoher Geschwindigkeit über unseren Köpfen an uns vorbei. Langsam erklimmen wir den Lifthill und die Spannung steigt, je mehr Höhe wir gewinnen. Was wird uns nach dem höchsten Punkt in den Tiefen der Wälder erwarten? Schon sind wir oben angekommen und blicken geradewegs den tiefen First Drop hinunter. Kurz bemerken wir noch die folgenden höheren Hügel mitten im Wald, da nimmt unser Zug auch schon Fahrt auf und wir stürzen hinab in die Tiefe. Der Zug rattert mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit durch das Tal und erklimmt schon den ersten Hügel. Wir werden das erste Mal aus den Sitzen gerissen und verbleiben nur dank Sicherheitsbügel und -Gurt im Sitz. Das zweite Tal und der zweite Hügel folgen und wieder reißt es uns aus dem Sitz, während der Zug mit einer immer noch hohen Geschwindigkeit über die Hügelkuppe brettert. Direkt darauf blicken wir in ein schwarzes Loch, bevor wir durch den ersten Tunnel der Bahn jagen. Die komplette Dunkelheit weicht kurz dem hellen Tageslicht, wie wir über einen bodennahen Camelback direkt in den nächsten Tunnel rattern. Ein weiterer Hügel führt abermals in einen Tunnel, bevor die Bahn endgültig wild und ungezähmt wird. Sofort nach dem Tunnel werden wir nach Links in eine Kurve geworfen, nur um kurz darauf über einen Umschwung mit satter Airtime in eine Rechtskurve zu wechseln. Ein weiterer, direkt folgender Umschwung führt in eine längere Linkskurve, die mit einer scheinbar irrsinnigen Geschwindigkeit durchfahren wird. Nach zwei kleinen Hügeln in der Kurve verwandelt sich diese in die erste 90 Grad steil geneigte Kurve der Fahrt. Die Linkskurve geht danach in eine Rechtskurve über, welche ebenfalls um 90 Grad geneigt ist. Unbeeindruckt brettert unser Zug anschließend über mehrere kleine Hügel und durch einen Tunnel auf die Blockbremse der Bahn. Es bleiben nur wenige Sekunden für eine dringend nötige Verschnaufpause, bevor The Voyage noch einmal richtig aufdreht. Direkt nach der Blockbremse stürzen wir in einen nächsten Tunnel. Nach dem ersten Drop folgt sofort ein zweiter und darauf sogar ein dritter in kompletter Dunkelheit - ein Triple-Down also mit einer guten Portion Airtime. Durch die drei Stürze hintereinander haben wir wieder gehörig an Geschwindigkeit zugelegt und rasen aus dem Tunnel hinaus direkt in den nächsten Camelback, welcher uns natürlich wieder aus den Sitzen reißt. Die Strecke folgt nun dem Anfangs bewältigten Teil zurück in Richtung Thanksgiving Themenbereich. Doch unbeeindruckt von den bereits zurückgelegten Streckenmetern brettert unser Zug mit einer irrsinnig hohen Geschwindigkeit über waghalsige Kombinationen von Kurven und Camelbacks, jeweils gespickt mit intensiver Airtime. Je näher wir dem Themenbereich kommen, desto extremer scheint unser Ritt zu werden, wir jagen über Hügel, Kurven, Umschwünge und durch die dritte 90-Grad Kurve. Bald passieren wir im Geschwindigkeitsrausch den Umschwung, welcher über den Start des Lifthills führt, und rattern sogleich durch den nächsten Tunnel direkt zwischen der Station und dem Merch-Shop der Bahn. Der nächste Umschwung führt über die Blockbremse vor der Station in eine längere Linkskurve. Wir brettern unter dem Fußweg zum Themenbereich in einem letzten Tunnel hindurch und rasen schließlich nach einer Rechtskurve mit noch sehr hoher Geschwindigkeit direkt in die Schlussbremse. Puh - Geschafft! Erst nach einiger Zeit können wir allmählich begreifen, was für eine unvergleichliche Fahrt wir in den letzten 100 Sekunden erlebt haben, während wir schon wieder in den Bahnhof einrollen. Noch mit zitternden Beinen steigen wir langsam aus, bevor unser Zug wieder bereit ist, die nächsten Fahrgäste mit auf eine unvergessliche Reise zu nehmen.

The Voyage
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Wenn die Sonne sich vom Horizont verabschiedet und es Nacht wird in Santa Claus, zeigt sich The Voyage von seiner gänzlich ungezähmten Seite. Scheinbar im Zeitraffer-Effekt und völlig außer Kontrolle jagt der Zug durch den komplett dunklen Wald die endlos wirkende Strecke entlang. Die vielen Richtungswechsel wirken viel radikaler, die Airtime noch intensiver in der vollkommenen Dunkelheit. Der nächtliche Höllenritt ist mit keinem anderen Achterbahnerlebnis vergleichbar und an Intensität kaum zu überbieten - Traum und Albtraum zugleich für jeden, der den Mut hat, zu später Stunde noch eine Fahrt zu wagen.

The Voyage
The Voyage
The Voyage
The Voyage
Technische Daten
Hersteller:The Gravity Group
Cincinnati, Ohio
Eröffnung:6. Mai 2006
Höhe:49 Meter
Länge:1964 Meter
Topspeed:108 km/h
Besonderes:24,2 Sekunden Airtime,
3 Kurven mit 90 Grad Querneigung,
7 Tunneldurchfahrten
Kosten:6,5 Millionen USD
The Voyage

The Voyage kann zu recht als eine, wenn nicht sogar als die beste Holzachterbahn der Welt gewertet werden und ist nicht vergleichbar mit den zwei anderen Holzachterbahnen des Parks. Die Diskussion, ob man bei einer Achterbahn in Hybrid-Bauweise von einer Holzachterbahn sprechen kann, erledigt sich spätestens nach einer Fahrt: The Voyage fährt sich wie eine "reine" Holzachterbahn, ohne Kompromisse. Genauso kompromisslos gestaltet sich das Layout der Bahn: Ein unerwarteter Moment folgt dem nächsten, von den vielen Tunnels über schnelle Richtungswechsel bis hin zu den unzähligen Hügeln mit starker Airtime - langweilige Abschnitte sucht man hier vergebens. Die Reise durch den Wald bewegt sich dabei an der Belastungsgrenze - für manche Personen mag die Fahrt schon einen Tick zu intensiv sein, was sich vor allem aus der enormen Länge der Bahn ergibt. Für die Mehrheit jedoch hat Holiday World zusammen mit The Gravity Group eine Holzachterbahn gebaut, welche keine Wünsche offen lässt. Die Bahn ist das ultimative Achterbahnerlebnis für den normalen Parkbesucher und Enthusiasten zugleich und stellt für den sympathischen Familienpark eine enorme Bereicherung dar, für die sich auch die weiteste Anreise lohnt.

Text: Lifthill.net - ak | Fotos: Lifthill.net