Vertigo

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04/2008
Gesamtansicht

Aussicht vom Riesenrad

Schwindelfrei hätte man schon sein sollen, wenn man eine Fahrt mit Vertigo wagen wollte. Vertigo war die Erstauslieferung des Mountain Gliders, entwickelt von einer Tochterfirma des bei Alpinisten bekannten Unternehmens Doppelmayr. Nach dem Sky Glider für den deutschen Park Fort Fun war das die nächste Generation Freizeitparktechnik von Seilbahnspezialisten. Modernste Technik kam bei der Realisierung dieses Projektes zum Einsatz, zum Beispiel W-LAN für das Bremssystem der Gondeln, so dass keine separaten Blockbremsen eingesetzt werden mussten. Die Attraktion bot aber nicht nur Technik sondern auch Fahrspaß pur. Wegen einer Reihe technischer Störungen wurde die Attraktion im Winter 08/09 leider wieder demontiert. Es folgt der Bericht zur damals noch geöffneten Bahn.

Station

Station von Vertigo

Bahnhofsbereich

Bahnhofsbereich

Die imposanten Stahltürme sind bereits vom Parkplatz aus gut zu sehen. Futuristisch anmutend ganz im Silberlook bilden sie die neue Skyline von Walibi Belgium. Dünne Stahlrohre hängen wie schlaff gespannte Fäden zwischen den Masten. Beängstigend und faszinierend zu gleich wirkt es, wenn die kleinen Gondeln in 55 Metern Höhe über den Park schweben.

Futuristisch wirkt auch die Station. Die in verschiedenen Blautönen gehaltene Fassade steht auf einer kleinen Anhöhe schimmernd im Sonnenlicht. Ein großzügig angelegter Weg führt um den kleinen Hügel herum. Die Warteschlange mündet in einen Steg, der leicht nach oben in die Station hineinführt. In diesem abgetrennten Bereich wird von unten Wassernebel eingesprüht, der die Illusion eines Spaziergangs durch die Wolken darstellen soll. Das ganze wird abwechseln von heroischen pompösen Melodien oder sanften tragenden Klängen untermalt. Kurz vor dem Einstieg nehmen die freundlichen Mitarbeiter bereits die Taschen und Rucksäcke den Vertigonauten in spe ab und bringen sie am Ausgang entweder zu einer Sammelstelle oder versorgen sie wahlweise in ein Schließfach. Nun kann das Abenteuer beginnen.

Vertigo
Aufzug

Aufzug

Aufzug

In luftiger Höhe

Die Gondeln werden mittels eines Vertikalliftes nach oben befördert. Am Turm hinter der Station laufen zwei Ausleger gegenläufig an Stahlschienen auf und ab. Der nach oben fahrende Ausleger, der die Gondel mit samt Fahrgästen befördert, macht dabei eine horizontale Drehung, um die Gondel in Fahrtrichtung auszurichten. Der nach unten fahrende Ausleger klappt komplett zur Seite und macht mit dem Aufnehmer die Drehung in entgegen gesetzter Richtung. So weichen sich die Lifte bei ihrer Auf- und Abfahrt sehr elegant gegenseitig aus. In der fließenden Bewegung des Aufzuges gleicht dieses stählerne Ballett der Faszination einer Lavalampe. Die Gondeln werden in der Station mittels Reibräder auf das kurze Schienenteil des Lift-Auslegers gefahren. In der oberen Liftposition entlassen diese Reibräder die Gondeln frei rollend auf die Strecke.

Gondel
Gondel
Stütze
Stützen
Fahrwerk

Das Fahrwerk über den Gondeln

Das Fahrwerk unterscheidet sich kaum von dem einer Achterbahn. Neben den normalen Laufrädern oberhalb der Schiene gibt es Führungsrollen unterhalb der Schiene, die an einem Blech entlang laufen und so grob die Neigung der Gondeln in den Kurven vorgeben. Die Fahrgastträger sind dabei frei schwingend gefedert aufgehängt. In der Station läuft die gesamte Gondel auf seitlich am Fahrwerk angebrachten Rädern durch den Aus- und Einstiegsbereich. Das Hauptfahrwerk hängt dabei ohne Schiene frei in der Luft.

Bremsen sucht man entlang der Strecke vergeblich. Jede der acht Gondeln verfügt über ein eigenes Bremssystem an Bord. Die Abstände und Positionen der Gondeln werden per W-Lan an das System übermittelt und überwacht. Bei einer Störung kann die Gondel sich so selbst bremsen. Dies geschieht an bestimmten, abschüssigen Punkten auf der Strecke, so dass die Gondel aus eigener Kraft wieder anrollen kann und den Weg zurück in die Station ohne Antrieb von Außen vollenden kann.

Helix

Helix um einen der Stütztürme

Die Gondeln durchfahren den Bahnhof stetig ohne Halt. Der Einstieg erfolgt über ein synchronisiertes Förderband am Boden. Wir nehmen in einer der bequemen viersitzigen Gondeln Platz. Die Mitarbeiter achten auf eine ausgewogene Balance der frei schaukelnden Gondel. Der Schossbügel wird geschlossen und kontrolliert, während die Gondel sich weiter auf das Bahnhofsende zu bewegt. Je nach Taktung gleitet man nun direkt auf den Lift oder wird kurz angehalten. Lautlos und ausgesprochen sanft schweben wir in die Höhe. Der folgende Ausblick auf den Park ist atemberaubend; der Blick nach vorne beängstigend. Die an einem dünnen Stahlseil hängende Schiene überspannt ein gewaltig weites Stück Landschaft bis zum nächsten Mast. Wir sitzen nahezu frei schwebend unter der Schiene. Nach einem leisen Klicken des Sicherungsbolzens rollt die Gondel auch schon vom Lift und unser Flug beginnt. Schnell haben wir ein beachtliches Tempo erreicht und der Fahrtwind pfeift uns um die Nase. Mit einem leisen Surren der Räder gleiten wir nun von Mast zu Mast, umkreisen diese einmal und setzten unseren Flug in eine andere Richtung fort. Die Fahrt ist sehr flott, bietet aber genug Zeit, die herrliche Aussicht auf die Parkanlage zu genießen. Kurz vor der Station werden wir mittels Wirbelstrombremsen sanft abgebremst und ruckfrei wieder auf das Förderband im Ein- Ausstiegsbereich übergeben. Der Bügel öffnet sich und wir können beschwingt die Station verlassen.

Onride
Onride
Onride
Onride
Technische Daten
Hersteller:Doppelmayr, Input
Projektentwicklungs GmbH

Wolfurt, Österreich
Eröffnung:13.06.2007
Höhe:55 Meter
Länge:722 Meter
Topspeed:70 km/h
Kapazität:800 P/h
Besonderes:Vertikallift,
W-Lan gesteuertes
Bremssystem

Mit Vertigo ist dem österreichischen Seilbahnspezialisten Doppelmayr eine grandiose und innovative Attraktion gelungen. Obwohl Vertigo ein Prototyp ist, wirkt die Bahn ausgereift und durchdacht bis ins letzte Detail. Die Fahrt hat einen Suchtfaktor, der manch guter Achterbahn ähnelt, wenn auch der Thrill etwas darunter liegen mag. Gerade dies macht die Bahn aber für ein breites Publikum interessant. Auf weitere Anlagen dieses Typs kann man nur hoffen, bietet sich ja nicht nur in Freizeitparks sondern auch in Bergregionen ein tolles Einsatzgebiet für ein Erlebnis dieser Art an.

Text: Lifthill.net - ob | Photos: Lifthill.net