"Tornado über Bakken – Besucher werden durchgewirbelt". So oder ähnlich könnte eine Schlagzeile in einer grossen Boulevardzeitung lauten. Bei genauerer Recherche würde sich der erste recht erschrockene Eindruck aber recht schnell in ein breites Lächeln wandeln, denn die Rede ist von Intamins neuem Accelerator Spinning Coaster „Tornado“.
Sehr kompakt und in eine kleine Halle integriert sieht man von aussen nur zwei durch die Wand brechenden Schienenkurven, über welche in schneller Folge die viersitzigen Wagen flitzen.
Inmitten der Ganzjahreskirmes „Bakken“ - bei Kopenhagen gelegen - befindet sich die neue Anlage, in direkter Nachbarschaft zur altehrwürdigen Holzachterbahn Rutschebanen.
Gegenüber des Splashbattles erstreckt sich eine bunte Häuserfront, weithin sichtbar der Name der Bahn in großen Lettern sowie auf einem kleinen Vordach eine Plastik des Namensgebenden Tornado. Rechts daneben erstreckt sich ein riesiges, ausgezacktes Loch in der Wellblechwand der Halle. Geknickten Stahlträgern und zahlreiche Einschlagstellen von Trümmerstücken entlang dieser Front erinnern an die Zerstörungswut der wild wirbelnden Windhose. Eine Schienenkurve schlängelt sich elegant durch die aufgerissene Kluft. Im Hintergrund kann man einen Teil des sehr flachen Lifthügels erkennen. Links an der Hausecke befindet sich der Treppenaufgang zur Warteschlange, über eine kleine Brücke gelangt man in den Innenbereich des überdachten Bahnhofs. Über dem Bahnhofsdach – auch hier nochmals der Schriftzug sowie eine kleinere Tornadoplastik - ist noch eine Steilkurve der Bahn aufgebaut, ansonsten sind dies die einzigen nach außen sichtbaren Streckenteile.
Im Bahnhof selbst befindet sich die obligatorische Wristband - Kontrolle und Operatorstation für die Anlage, rechts ein kleines Abstellgleis. Die viersitzigen Wagen in gelb und rot halten im Bahnhof nicht an, sondern werden langsam vom Ausstieg bis zur ersten Kurve zum Lifthill von einer Kette mit Gummistoppern gezogen. Die Sitze sind mit Blickrichtung zueinander angeordnet. Ungewöhnlich bei diesem Bahntyp und auch für diese Bahngröße sind die Schulterbügeln. Wir die Fahrt doch wilder als eine kleine Luftböe?
Nach einer relativ kurzen Anstehzeit nehmen wir in den geräumigen Sitzen Platz und schließen die Bügel. Leider ist keine Ablagemöglichkeit im Bahnhof für Taschen vorgesehen, so dass diese entweder bei Nichtfahrern verbleiben oder beim Ausstieg auf den Boden gelegt werden müssen.
Nach Bügelschließung und deren Kontrolle schiebt die Kette den Wagen in eine Linkskurve und mit etwas Schwung geht es auf den Doppelkettenlift. Die Gondelarretierung ist bereits nach dem beladen gelöst und die Mitarbeiter machen sich oft einen Spaß daraus, die Chaise schon ordentlich zu einer Drehung anzustoßen. Der Lift ist - wie z.B. bei Insane - ebenfalls hydraulisch betrieben und legt auch gleich ein ordentliches Tempo vor, jedoch soll uns hier noch eine Überraschung erwarten. Kurz vor Ende des Lifthügels beschleunigt der Liftantrieb noch mal erheblich. Mit einem Rattern katapultiert er den Wagen regelrecht über die letzte, flache Kuppe und hinein in die Strecke. Diese Besonderheit war der einzige Weg bei der gewünschten Streckenlänge und Geschwindigkeit die Bahn so kompakt und niedrig zu halten. Ohne diesen besonderen „Kick“ hätte der Lift beinahe doppelt so hoch ausgeführt werden müssen als die tatsächlich verbauten 10 Meter. Nun ist auch klar, warum dieser Bahntyp die Bezeichnung "Accelerator Spinning Coaster" bekommen hat.
Direkt nach der Kuppe geht es sofort in eine abfallende Linkskurve, in der die Chaise das erste Mal aus eigener Kraft Drehung aufnimmt. Die Kurve setzt sich weiter fort, wieder aufwärts, wo wir das Gebäude oberhalb des Bahnhofs verlassen. Nach einer scharfen 180° Kurve schießen wir jedoch wieder direkt in das Gebäude hinein. In einer rechts-links Kombination verlassen wir das Gebäude abermals über den schon erwähnten Abschnitt an der Außenwand, und gleich wieder hinein. Es folgt eine kurze Gerade wo die Drehung der Chaise kurz zur Ruhe kommen könnte, doch schon erfassen uns die Fliehkräfte der nächsten Abwärtshelix. Spätestens jetzt verliert man komplett die Orientierung, während der Tornado durch zwei entgegen gesetzten Helices wirbelt, bevor er in der magnetischen Schlussbremsen endlich zur Ruhe kommt. Die Gondel wird von einem Mitnehmer neben der Strecke wieder in die gerade Stellung gedrückt und mit Erreichen des Bahnhofs öffnen sich die Bügel und wir verlassen die Anlage.
| Technische Daten | |
|---|---|
| Hersteller: | Intamin Transportation Ltd. Schaan, Lichtenstein |
| Eröffnung: | 09.04.2009 |
| Höhe: | 10 Meter |
| Länge: | 325 Meter |
| Topspeed: | 60 km/h |
| Kapazität: | 480 P/h |
| Besonderes: | Katapultstart |
| Fahrtdauer: | 65 Sekunden |
Mit Tornado hat man eine Bahn geschaffen, welche in dieser Kompaktheit und Intensität wohl nur selten woanders anzutreffen sein wird. Wie bei allen Spinning Coastern entscheidet auch hier die Beladung über das Ausmaß der Drehung während der Fahrt. Von extrem rotierend bis kaum drehend kann man hier alles erleben. Je schneller sich aber der Tornado dreht umso spaßiger wird die Fahrt. Nomen est omen. Der Lift mit seiner starken Beschleunigung am Ende ist ein absolutes Highlight. Die Schulterbügel, so störend sie manch einer empfinden mag, sind bei dieser Bahn unerlässlich, um den Oberkörper im Sitz zu halten. Bakken hat sich mit dieser Attraktion wieder einmal wie ein Wirbelwind in die Herzen der Achterbahnfreunde geweht.
| Weiterführende Links |
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