London, im März 2012: Dunkle Wolken ziehen über der Stadt auf. Von überall gibt es Berichte über mysteriöse Todesfälle von Menschen, die scheinbar durch die Luft geschleudert wurden. Die Stimmung der Bevölkerung ist sehr angespannt. Plötzlich ein Surren in der Ferne, es wird immer lauter und lauter. Sirenen heulen, Maschinengewehrsalven sind zu hören und von einen Moment auf den anderen wirbeln Autos, Hubschrauber und Passanten durch die Luft, umhüllt von einem Schwarm schwarzer Wesen der wie Schatten durch die Stadt fliegt. Jeder rettet sich selbst und rennt um sein Leben, begleitet von Schreien, Sirenen, Explosionen und dem ewigen Surren der Kreaturen im Nacken. Ein Flugzeug wird von den schattenartigen Wesen erfasst und stürzt ab auf eine alte Kirche direkt neben dem Thorpe Park (Staines, England) – willkommen in der apokalyptischen Welt von The Swarm!
Merlin Entertainments versteht es, die Neuheiten in Ihren Parks in ein zumeist düsteres Thema zu verpacken und dieses konsequent durch diverse Marketingaktionen umzusetzen. So wurde auch bei der neuen Achterbahn „The Swarm“ im Thorpe Park mit diversen Anzeigen, viralen Videos von Angriffen in London und inszenierten Pressemitteilungen nicht beim Marketing gespart. Eine solche Marketing-Pressemitteilung, die von abgetrennten Gliedmaßen bei Test-Dummies handelte, schaffte es sogar in diverse deutsche Medien.
Das gesamte Setting ist durchaus passend für die eigentlich Attraktion: Bei der Neuheit 2012 The Swarm, zuvor unter dem Projektnamen LC12 bekannt, handelt es sich um die zweite Auslieferung des Wing Coaster von Bolliger & Mabillard nach dem Prototyp „Raptor“ im italienischen Gardaland, welches zur gleichen Gruppe gehört. Im Zug für 28 Personen sitzen die Fahrgäste nicht auf oder unter, sondern in Zweierreihen jeweils links und rechts der Schiene. Dadurch ist die Sicht sowohl nach unten als auch nach oben komplett frei. Als Bügelsystem wird wie bei Raptor auch eine Abwandlung des Flying Coaster-Designs verwendet mit einer flexiblen Weste, die den Oberkörper fixiert. Dieses System bietet zwar eine angenehme Fahrt gerade in langsam durchfahrenen Inversionen, kann jedoch bei Personen mit hervorstehendem Schlüsselbein unangenehm auf den Knochen drücken. Die etwa 50 Sekunden andauernde Fahrt bietet insgesamt fünf Inversionen, wobei eine davon – der Inclined Loop, ein etwas zur Seite gekippter Looping – auch als stark übergeneigte Kurve gesehen werden kann. Doch was genau hat es mit dem Schwarm auf sich? Wir trotzen der Gefahr und wagen uns mitten ins Kriegsgebiet.
Verrückte Gestalten mit Schildern wie „Das Ende kommt“ belagern unseren Weg – hatten sie am Ende alle Recht? Wir folgen marschierenden Soldaten und bleiben bald wie angewurzelt stehen: Vor uns zeigt sich ein Bild des Schreckens und der Zerstörung. Direkt neben der halb zerstörten Kirche liegt das noch qualmende Wrack des abgestürzten Flugzeugs. Und immer wieder fliegt ein Schwarm von Schatten über und durch die Wrackteile, begleitet von den Schreien der mitgerissenen Personen. Unter dem Heulen der Sirenen und ständigem Beschuss des Militärs bahnen wir uns den Weg zu den Überresten der Kirche. Neben der normalen Warteschlange, von der sich später der Wartebereich zur ersten Reihe abspaltet, gibt es auch den kostenpflichtigen Fastrack-Expresszugang. Direkt am Eingang der Kirche führen alle Zugänge wieder zusammen. Hier können wir Taschen kostenfrei zur Aufbewahrung abgeben und werden einer der Stationshälften zugeteilt. Da wir für die erste Reihe warten erhalten wir zudem einen Pass, den wir kurze Zeit später bei der Einteilung in die Sitzreihen wieder abgeben, um ganz nach Vorne zu gelangen. In der Station wird die Zerstörung erst richtig deutlich: Das komplette Kirchendach ist weggerissen, ein Wagen der „Major Incident Unit“ der Polizei liegt umgekippt auf 2 Metern Höhe. Schon stehen wir direkt vor dem Schwarm mit seinen bedrohlich leuchtenden roten Augen und steigen trotz aller Gefahren ein.
Langsam setzen wir uns in Bewegung und erklimmen den Lifthill, begleitet von surrenden und krachenden Geräuschen. In luftiger Höhe angekommen nimmt sich der Schwarm Zeit und dreht uns zuerst langsam auf den Kopf. Erst danach entfaltet er seine wahre Kraft und stürzt sich senkrecht hinunter und mit voller Geschwindigkeit direkt unter den Flügel des Flugzeugwracks hindurch. Kaum dass wir nach dem Qualm des Wracks etwas sehen können fliegen wir wieder gen Himmel und drehen uns sogleich beinahe schwerelos um die eigene Achse. Wieder haarscharf am Boden vorbei rauschen wir kurz danach loopingförmig durch die Luft und direkt über einen See. Knapp über der Wasseroberfläche umrunden wir einen abgestürzten Helikopter und wirbeln viel Wasser auf, ehe der Schwarm erneut eine Rolle direkt über dem Kirchenvorplatz fliegt. Fast streifen wir ein verunglücktes Feuerwehrauto ehe wir direkt auf die Mauerreste der Kirche zufliegen. Durch einen Spalt bringt uns der Schwarm in die Kirche hinein und wir drehen uns ein letztes Mal auf den Kopf direkt über den wartenden Wahnsinnigen, denen der Ritt noch bevorsteht. Nach diesem letzten Manöver werden wir langsamer und der Schwarm bringt uns nach einer Kurve zurück zur Kirche – lebendig und unversehrt.
| Technische Daten: | |
|---|---|
| Hersteller: | Bolliger & Mabillard Monthey, Switzerland |
| Eröffnung: | 15.03.2012 |
| Höhe: | 39 Meter |
| Länge: | 775 Meter |
| Topspeed: | 92 km/h |
| Züge: | Wing Coaster Züge 7 Reihen à 4 Personen |
| Kosten: | 20.000.000 £ |

Thorpe Park hat mit The Swarm nun eine weitere Attraktion mit einem sehr düsteren Thema im Angebot – und dieses wurde auch konsequent umgesetzt. Im Bereich macht sich eine sehr unbehagliche Endzeitstimmung breit. Damit hat der Park zwar sein Ziel erreicht, jedoch ist mit diesem für einen Freizeitpark eher zweifelhaften Thema auch die Aufenthaltsqualität sehr gering und es ist kein Zufall, dass es bei The Swarm weder Sitzbänke, noch ein gastronomisches Angebot gibt. Die Achterbahn besticht durch eine sehr ausgewogene und sanfte Fahrt – intensive Kräfte sucht man hier vergebens, ebenso werden die Inversionen allesamt langsam durchfahren. Genau diese Eigenschaft kann aber als ein Pluspunkt für die Bahn gesehen werden, da deswegen jede Überkopffahrt sehr bewusst wahrgenommen werden kann. Besonders in der ersten Reihe kommt zudem auch ein sehr gutes Gefühl des Fliegens auf, wobei es leider etwas zu wenige Beinahe-Kollisionen mit dem Boden oder anderen Thematisierungselementen gibt. The Swarm ist damit zwar nicht unbedingt eine der besten Achterbahnen Europas, aber bietet dennoch ein interessantes und ungewöhnliches Fahrterlebnis in spektakulärer und einzigartiger Inszenierung. War has begun!
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