Die Sonne steht brennend über uns. Es ist mörderisch heiß. Von irgendwo aus dem Dickicht dringt ein rhythmisches Trommeln zu uns herüber. Endlich erreichen wir die große Steintafel die uns den Eingang zu einem der unglaublichsten Attraktionen Europas weist. Vor uns erheben sich die mächtigen Steinmauern des Templo del Fuego. Wir befinden uns in Port Aventura, dem größten Freizeitpark Spaniens an der Costa Dorada. Der Park liegt etwa 100km westlich von Barcelona und besticht durch seine herausragende Thematisierung und großartigen Attraktionen. Eine ganz besondere davon ist der Templo del Fuego. Eine Show, die durch ihre pyrotechnischen Effekte besticht.
Achtung: Mit dem lesen dieses Berichtes erfahren Sie Details über diese Attraktion, die den Zorn von Xiutecuhtlee auf Sie lenken wird. Außerdem könnte es die Überraschung verderben.
Linker Hand der großen Steintafel schlängelt sich ein schmaler Fußweg in die Regenwald ähnliche Vegetation. Kleine Zelte und Kistenweise Archäologenausrüstung säumen die kleineren Lichtungen links und rechts des Pfades. Ein Generator hinter einem Bretterverschlag tuckert sein monotones Lied und läßt dabei die klägliche elektrische Beleuchtung im Schatten des riesigen Tempel im Takt flackern. Ein altes Röhrenradio verbreitet 30er Jahre Musik die unter der schweren Steindecke des Tempelvorsprungs den wir inzwischen erreicht haben hallt. Große Holztüren bewachen den Eingang, vor dem sich eine kleine Menschentraube gebildet hat. In einer kleinen Seitennische liegen verkohlte Körper die der Staub zugedeckt hat.
Mit einem fast lautlosen Knacken springen die Holztore auf und wir treten ein. Neugierig schauen wir uns im Innenhof des Tempels den wir eben Betreten haben um. Über uns ein tiefblauer Abendhimmel. War es eben nicht noch nachmittags? Ein Holzgerüst ist vor einer mit hieroglyphischen Zeichen bemalten Steinwand aufgebaut. Daneben zahlreiche aztekische Götzenstatuen. Eine Archäologin turnt auf dem Gerüst herum und erzählt aufgeregt von ihrer Entschlüsselung der Inschriften an der Wand. Wir erfahren, dass der Tempel dem Feuergott Xiutecuhtlee gewidmet ist, welcher mit all seinem Zorn einen heiligen Schatz bewacht. Nur wie kommen wir herein? "Pablo!" ruft sie erschrocken als ihr Kollege sich wie aus dem nichts kommend die Steinwände herunter abseilt. Eine Stange Dynamit in der Hand rennt er fröhlich auf die Wand zu und positioniert seinen, nach eigenen Angaben, Schlüssel in einer Ritze. Nach einem kurzen Streitgespräch der beiden einigen sie sich aber darauf einen anderen Weg zu finden. Laut Inschrift muß man wohl die drei Steinkreise an der Wand in die richtige Position drehen.
Übermütig dreht Pablo den ersten Stein um 90° und schon verdunkelt sich der Himmel und ein Wind zieht auf. Scheinbar unbeeindruckt dreht Pablo auch noch am zweiten steinernen Rad. Jetzt stehen wir in völliger Dunkelheit. Ein paar leuchtende Augen tauchen wie aus dem Nichts neben uns auf und beobachten uns misstrauisch. Langsam geben die wenigen Laternen wieder Licht ab und wir sehen Pablo zitternd am Boden kauern. Als er unsere Blicke entdeckt springt er etwas verlegen auf. Unsicher dreht er nun noch am letzten Steinkreis. Ein Blitz erhellt die Kulisse und über uns sehen wir das erzürnte Gesicht des Feuergottes. Unter einem tiefen Rumpeln schiebt sich die Steinwand zur Seite und gibt uns den Weg frei.
Das Innere des Tempels ist schnell überschaut. In dem viereckigen Raum verteilen sich die Besucher an zwei angrenzenden Seiten auf einem Metallsteg über zwei Etagen. Unser Blick ist so auf das übergroße Götzenbild von Xiutecuhtlee, der mit weit aufgerissenem Mund und furchteinflößenden Augen nur auf Schatzräuber wartet gerichtet. Ein Treppe führt nach unten in unsere Richtung und verschwindet im Wasser welches den gesamten Boden bedeckt. Mit leuchtenden Augen springt Pablo auf eine Steinsäule die aus dem Wasser ragt worauf sich eine Schatzkammer an der rechten Wand auftut. Freudig hüpft er weiter von Säule zu Säule, bis er die große Götzenstatue in der Mitte erreicht hat. Vier Schatzkammern haben sich an den Wänden geöffnet, aber scheinbar ist der übermütige Pablo hinter einem viel größeren Schatz her. Nachdem er kurz im Maul der Statue verschwunden war taucht er wieder mit einem riesigen leuchtenden Artefakt in der Hand auf. Langsam färbt sich der Himmel im Hintergrund rot und ein dumpfes Grollen erschüttert den Raum. Xiutecuhtlee ist erwacht. Die Augen des Feuergottes leuchten jetzt grellrot und das Wasser am Fuße der Steintreppe wird unter züngelnden Flammen begraben. Pablo versucht sich noch zu retten und stürzt blindlings auf das Wasser zu. Doch die Hitze treibt ihn zurück. Er stürzt die Treppe wieder nach oben, die sich gleich darauf krachend in zwei Hälften spaltet. Paplo springt zurück ins Maul der Statue wo er zuvor den Schatz entwendet hat.
| Technische Daten | |
|---|---|
| Hersteller: | thinkwell Level Control Systems Visual Terrain Itec Entertainment Ernie Merlan |
| Eröffnung: | April 2001 |
| Kosten: | 30 Mio. Euro |
| Kapazität: | 160 Personen pro Aufführung |
| Dauer: | 10 Minuten |
Im gleichen Moment schießt ein riesiger Feuerball aus dem Maul, welcher den ganzen Tempel in sengende Hitze taucht. Auch die Steindecke über uns steht mittlerweile in Flammen. Aus der brodelnden Wasseroberfläche heraus springen an Speeren aufgespießte Skelette auf die Besucher zu. Jetzt brennt wirklich der ganze Raum. Ein weiterer Feuerball explodiert aus der Statue heraus, gefolgt von einem lauten krachen. Der Steg auf dem wir stehen sackt zwanzig Zentimeter in die Tiefe und wir stehen in völliger Dunkelheit. Im Nacken spüren wir nur noch die Eiskalte Luft, die die ganze Zeit von hinten eingeblasen wurde. Aus der Dunkelheit kommt die Archäologin mit einer Laterne und ruft nach ihren Kollegen Pablo. Noch ein Schlussrülpser von Xiutecuhtlee und eine weitere Steintür schiebt sich zur Seite, wodurch das gleißende Sonnenlicht in den Tempel strömt.
Sprachlos verlassen wir diesen verfluchten Ort... um uns gleich noch mal anzustellen, für diese unglaubliche Attraktion.
Der Templo del Fuego begeistert seit vielen Jahren die Besucher durch seine Kombination aus Show und Attraktion. Die Effekte, vom Lichtdesign über Akustikuntermalung bis zur Pyrotechnik überzeugen auf der ganzen Linie. Die Thematisierung stimmt bis ins Detail. Nicht umsonst gewann diese teure Investition zahlreiche Preise, darunter den "Best Attraction Thea Award 2003". Es lohnt sich übrigens den Tempel öfter zu Besuchen, den die Live-Akteure wechseln sich bei der Show ab und jeder hat seinen eigenen Witz und Charme.
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