Auf zur Expedition in den Himalaya! Ganz so weit mussten wir zum Glück nicht reisen, um das neuste Meisterwerk von Bolliger & Mabillard zu testen. Auf der Suche nach dem sagenumwobenen Reich Shambhala geht es auf PortAventuras (Salou, Spanien) neustem Hypercoaster hoch hinaus und auch steil wieder hinab.
Der tibetanisch angehauchte Themenbereich gliedert sich direkt an den chinesischen Bereich an, in welchem seit 1995 der ebenfalls von B&M stammende Dragon Khan seine Runden dreht. Dieser glänzt frisch lackiert mit Shambhala um die Wette. Während Dragon Khan in sattem Rot mit dunkelblauen Stützen einen wuchtigen Eyecatcher bildet, zeichnet Shambhala in strahlendem Weiß mit türkisfarbenen Laufschienen und grauen Stützen filigrane Formen in den hellblauen Himmel.
Zentrum des neuen Themenbereichs bildet das als tibetanischer Tempel gestaltete Stationsgebäude mit einem tiefer davor liegendem Vorplatz. Dort befindet sich auch das Splashbecken, durch welches die Züge von Shambhala rauschen. Entlang des aufwärts führenden Weges Richtung China finden sich Zelte mit allerlei Expeditionsausrüstung, die teilweise von (Kunst-) Schnee überzuckert sind. Ein großes Tor trennt die beiden Bereiche voneinander ab. Vom Splashbecken abwärts führend folgt der Weg einem Tunnel und endet an einem weiteren Platz, der mit einer großen Gebetsmühle und einer Tempelsäule dekoriert ist. Von hier gelangt man wahlweise in den unteren Teil des chinesischen Themenbereichs oder nach links direkt in den Bereich der Sesame Street.
Wir betreten den Tempel, der neben der regulären Warteschlange einen Zugang für Single-Rider bereithält. Wer einen Express Pass besitzt, darf gleich rechts am Wartebereich vorbei und landet direkt in der Station. Im Gegensatz zum zehn Jahre älteren Silverstar (Europa-Park, Rust) hat Shambhala die neuen v-förmigen Züge, die schmaler, dafür aber auch länger sind. Die beiden vorderen Sitze eines Wagen sind jeweils direkt nebeneinander, die hinteren beiden sind v-förmig nach hinten versetzt. So hat man von jedem Sitz eine fast freie Sicht nach vorne oder zur Seite. Die in gold- und türkis gehaltenen Züge wirken edel und sind gewohnt bequem. Auch an Ablagemöglichkeiten für Taschen ist in der Station gedacht worden. Ist alles verstaut kann die Expedition beginnen.
Der Zug gleitet in einer 90° Rechtskurve aus dem Bahnhof und erklimmt leise und kraftvoll den steil aufragenden Lifthill. Wir lassen Dragon Khan unter uns, der nun erstaunlich klein wirkt, und blinzeln der schneeweißen Liftkuppe entgegen. Rasch hat die Zugspitze das obere Ende erreicht und schiebt sich erst langsam, dann immer schneller in den First Drop hinein. Während die vorderen Wagen noch Zeit haben, kurz die Aussicht zu genießen, werden die letzten Wagen mit Schwung in die Tiefe gerissen. Unter den gellenden Schreien der Fahrgäste donnert der tonnenschwere Zug den immer steiler werdenden First Drop hinab, bis er kurz vor dem Boden von einem Tunnel verschluckt wird. Ganz kurz nur wird es dunkel, aber schon schießt der Zug wieder heraus und steil hinauf Richtung Himmel. Wir werden aus dem Sitz gehoben und gleiten schier endlos über den ersten Hügel. Die Airtime hält bis beinahe zur nächsten Talsohle an. Erst kurz vor dem Boden drückt es uns wieder in die Sitze. In einer steil aufragenden Rechtskurve arbeitet sich der Zug nach oben, stürzt aber der Kurve folgend genauso schnell wieder abwärts und komplementiert damit die Schleife. Es folgen ein sehr flacher Hügel, der uns wieder aus den Sitzen hebt und ein größerer Hügel mit abermals herrlicher Floating Airtime, bevor die Sturzfahrt auf das Wasserbecken folgt. Fontänen spritzen zu beiden Seiten während unser Zug das Wasserbecken durchfliegt. Über zwei weitere Hügel mit reichlich Airtime fliegen wir nun an dem Stations-Tempel vorbei bevor wir die Blockbremse erreichen, die unsere schnelle Fahrt kaum verlangsamt. Der Zug wirft sich nach links in eine Senke und absolviert einen weiteren flachen Hügel, bevor er in der Schlussbremse zum stehen kommt. Unsere Expedition ist beendet.
| Technische Daten: | |
|---|---|
| Hersteller: | Bolliger & Mabillard Monthey, Switzerland |
| Eröffnung: | 12.05.2012 |
| Höhe: | 76 Meter |
| Länge: | 1564 Meter |
| Topspeed: | 134 km/h |
| Max. G-Kräfte: | max. 3,8 G |
| Kapazität: | 1670 P/h |
| Besonderes: | Awesome Curve, Splash |
| Kosten: | 25 Mio. Euro |
Shambhala ist eine Bahn für jeden Geschmack. In den vorderen bis mittleren Reihen bekommt man eine weiche Fahrt mit sehr langen Floating Airtime Passagen, also einem sanften Abheben aus dem Sitz. Wer es etwas kräftiger mag setzt sich einfach in den hinteren Zugteil. Hier wird man auf den Hügeln aus dem Sitz gerissen und die „Awesome Curve“ drückt deutlich stärker. Das, was man von einem Hypercoaster erwartet, bringt Shambhala auf den Punkt. Einen hohen steilen First Drop, lange und satte Airtime-Momente und reichlich Speed. Dass die Bahn auch von den Parkgästen sehr gut angenommen wird, beweisen Applaus und Gejohle aus jedem Zug in der Schlussbremse, mit dem die Fahrgäste die Fahrt quittieren. Die Erweiterung des chinesischen Themenbereichs ist zwar flächenmäßig eher klein ausgefallen, aber die Thematisierung ist durchgängig und stimmig. Zusätzlich bieten sich ganz neue Perspektiven auf Dragon Khan, die man früher so nicht hatte. Dass die beiden B&M Bahnen im Park so dicht beieinander stehen, stört dabei nicht im Geringsten. Shambhala ist eine großartige Ergänzung für den Park und mit Sicherheit eine der besten Achterbahnen Europas.
| Weiterführende Links: |
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