Maverick

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06/2008
Eingang

Der Eingang von Maverick

Eingang

Wer wagt den wilden Ritt?

Cedar Point (Sandusky, Ohio) ist ein Freizeitpark, der schon immer mit Rekordbrechern auf sich aufmerksam gemacht hat. Längst ist der Park, das Flaggschiff der Cedar Fair Gruppe, für die Freizeitpark Fangemeinde zum Achterbahnmekka avanciert. Nicht weniger als siebzehn Achterbahnen stehen auf der kleinen Insel am südwestlichen Ende des Eriesee. Der jüngste Spross in dieser großen Familie von Thrillmaschinen tanzt jedoch mächtig aus der Reihe. Maverick heißt die kleine Bahn, versteckt sich ganz hinten im Park und ist weder besonders hoch noch außergewöhnlich schnell. Doch was hat Maverick, um sich in Konkurrenz zu Millennium Force oder Top Thrill Dragster zu stellen?

Maverick steht im Themenbereich Frontiertown in der nähe der Holzachterbahn Mean Streak. Eigentlich war Maverick ein Rinderzüchter, das Logo der Bahn wurde jedoch mit einem schwarzen Hengst geschmückt. Man möchte wohl eher auf Maverick als synonym für Außenseiter anspielen, was auf die Bahn wiederum sehr gut zutrifft. Also wagen wir doch einen Ritt auf dem Rücken des wilden Hengstes und versuchen ihn zu zähmen. Vom Eingang der Bahn aus kann man einen Teil der Strecke einsehen, auf denen einer der sechs Züge entlang galoppiert. Besonders die beiden Inversionen wurden publikumswirksam platziert. Den hinteren Teil der Bahn kann man vom Weg aus Richtung Millennium Force gut betrachten. Von dort sieht man auch auf den ersten Sturz, der zwar nur 30 Meter Höhe, aber stolze 95° Gefälle aufweist. Zuerst folgen wir aber dem Holzsteg, der uns in den Anstehbereich führt. Von diesen sich im zick-zack windenden Geländern aus hat man leider nur noch Sicht auf die Schlussbremse, was die Wartezeit hier recht eintönig wirken lässt. Eine breite Holztreppe führt schließlich hinauf in das Stationsgebäude.

Panorama
Zug

Zug in der Schlussbremse

Zug

Zug in Aktion

In der Station werden jeweils zwei Züge gleichzeitig beladen, denn Maverick fährt mit beachtlichen Taktzeiten. Während der vordere Zug bereits den Lifthill erklimmt, wird der zweite nach der Station kurz zwischengeparkt, um die nächsten zwei Züge be- und entladen zu können. Um das Ganze so zügig wie möglich gestalten zu können, werden die Wartenden in der Station nicht aufgestaut. Ein Mitarbeiter weist uns stattdessen direkt eine Reihe zu, noch bevor wir den Bahnhofsbereich betreten dürfen. Meist bleibt so kein Platz unbesetzt. Es gibt jedoch für die vorderste und letzte Reihe beider Züge eine getrennte Warteschlange mit einer normalerweise nur wenige Minuten längeren Wartezeit, in die man sich nach freundlicher Nachfrage stellen darf. Die Züge von Maverick sind ungemein schick. Die Wagen selbst sind in verschiedenen Lackierungen von Bronze über Silber bis Pechschwarz gehalten. Die Sitze und Schulterbügel sind orange gehalten und mit gelber Verkleidung versehen. Dicke Nieten und schlichte Ornamente zieren die Ränder. Ein Design das fast nach einem Preis schreit. Hinzu kommt das gewohnte Stadium Seating, bei dem die zweite Sitzreihe eines Wagens leicht erhöht ist. Kaum haben wir in dem edlen Gefährt Platz genommen, hat ein Mitarbeiter auch schon den Schulterbügel herabgedrückt und den Gurt geschlossen.

Vor uns liegt zwar ein Lifthill, Maverick hat aber weder eine Kette noch einen Schlitten der uns nach oben befördern könnte. Auf der Strecke sind nur lauter weiße Kästen, die bis zum Ende des Lifthill reichen. Wie von Geisterhand nimmt der Zug Fahrt auf und klettert den Berg sehr schnell nach oben. Hier nutzt man die LSM Technik (Linear Synchronous Motor), um den Zug nach oben zu befördern. Das Prinzip ist das Gleiche wie bei einem Abschuss, nur dass die Bahn eben nicht abgeschossen, sondern einfach in einem stetigen Tempo dem Magnetfeld der zahlreichen LSM Module nach oben folgt. Ein kleiner Gag, der sich wohl nach Aufwiegung der Kosten gegenüber einem Kettenlift nicht bei vielen anderen Bahnen durchsetzten wird.

Maverick
Maverick
Maverick
Maverick
Camelback

Camelback

Corkscrew

Corkscrew

Wasserbombe

Wasserbombe

Kurz vor der Kuppe werden wir etwas langsamer, und der erste Wagen schiebt sich vorsichtig auf den mehr als senkrechten First Drop. Der Sturz ist kurz aber intensiv und natürlich in den hinteren Reihen deutlich ausgeprägter. Der Zug wirft sich sogleich in eine scharfe Rechtskurve und rast in einen kleinen Canyon hinein. Es folgt ein wilder Umschwung in eine Linkskurve und wieder in eine Rechtskurve. Mit Vollgas geht es über einen großen Camelback, der uns gehörig aus dem Sattel reißt. Weiter geht es in einer wieder bodennahen langen Rechtskurve, direkt in den ersten Corkscrew. Kurz steht alles auf dem Kopf, da folgt eine wieder sehr enge Linkskurve und der zweite Corkscrew. Diese Fahrelementkombination wurde kurzerhand auf den Namen "Twisted Horseshoe Roll" getauft. Mit hohem Tempo geht es in eine enge Rechtskurve und wir rauschen in einen Tunnel unter der Station, wo der Zug stark abgebremst wird. Fast stehen wir ganz still, nur sehr langsam rollt unser Zug weiter in den Minenschacht. Links und rechts blinken Grubenlampen, die an den Stützpfeilern befestigt sind. Wir hören das metallische Klingeln einer Bahnübergangsglocke und das schnaufen einer Dampflok. Da beschleunigt der Zug schlagartig auf ein atemberaubendes Tempo. Die Dunkelheit und die enge des Schachtes verstärken den Eindruck der Geschwindigkeit noch. Helle Blitzlampen flammen auf und tauchen den Schacht nun in ein gleißendes Licht. Wir werden in eine unglaublich enge Linkskurve geworfen und weichen so dem Ende des Tunnels aus. Wieder im Freien fahren wir anschließend eine Gerade aufwärts, auf der wir auch wieder auf ein normales Tempo heruntergebremst werden. Nun folgt eine weit ausholende Rechtskurve abwärts über einen großen See. Dicht neben dem Zug explodieren mehrere Wasserbomben, doch wir entkommen dank des immer noch sehr hohen Tempos. Vor uns liegt ein weiterer Canyon und der Zug windet sich abermals in einem wilden rechts, links Schlenker zwischen den Felsen hindurch. Vor einer Wand geht es wieder steil nach oben, bevor die Strecke nach rechts wegknickt. Für einen kurzen Moment könnte man glauben von der Schiene zu fallen, doch Maverick folgt unbeirrt dem Weg, den die scharlachrote Schiene vorgibt. Die Rechtskurve geht weiter, bevor wieder ein starker Twist nach links folgt, bei dem wir ebenfalls das Gefühl haben, weggeschleudert zu werden. Ein zweiter, kleinerer Camelback wirft uns noch mal in die Luft, bevor wir nach einer weiteren Rechtskurve in die Schlussbremse hineinrasen. Ein unglaublich wilder Ritt ist zu Ende.

Maverick
Maverick
Maverick
Maverick
Maverick
Maverick
Maverick
Maverick
Technische Daten
Hersteller:Intamin Transportation Ltd.
Schaan, Liechtenstein
Eröffnung:26. Mai 2007
Höhe:32 Meter
Länge:1356 Meter
Topspeed:113 km/h
Kapazität:1200 P/h
Besonderes:95° First Drop, Twisted Horseshoe Roll,
Abschuss im 120 Meter langen Tunnel
Kosten:21 Millionen US-Dollar
Abendstimmung

Maverick ist trotz seiner eher geringen Größe eine unglaublich intensive Bahn, die auch nach mehreren Fahrten immer noch überrascht. Zwar ist die Thematisierung rund um die Bahn im Gegensatz zu den ersten Konzepten eher minimalistisch ausgefallen, unterstreicht aber das Westernthema ausreichend. Der Park legt bei seinen Attraktionen die Gewichtung ohnehin immer auf die Fahrt. Die komplette Strecke bietet keine Verschnaufpause, denn es folgt ein Umschwung auf den anderen. Diese sind sehr gut berechnet und gefertigt worden, denn es gibt dabei keine unangenehmen Schläge. Intensiv bleibt es trotzdem. Auch die beiden Corkscrews fahren sich trotz hohem Tempo angenehm. Wer die Strecke kennt und sich mit in die Kurven wirft, kann es fast schaffen die Bahn ohne großen Bügelkontakt zu fahren. Maverick glänzt durch Bissigkeit, wilde Umschwünge und einem grandiosen Abschuss in der Mitte der Strecke. Cedar Point hat auf das richtige Pferd gesetzt und eine weitere Achterbahn von Weltklasse in den Park geholt.







Text: Lifthill.net - ob | Fotos: Lifthill.net