Manta

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06/2009
Eingang

Imposanter Eingang bei Manta

Schon seit längerem machten sich die Parkplaner der Sea World Orlando/Florida Gedanken, wie sie am besten die beiden Hauptthemen des Parks, Fahrgeschäfte und die Tierwelt der Meere, für einen neue Attraktion verbinden könnten. Sie wollten eine Neuheit schaffen, die auch jenen die Gelegenheit bietet sie zu erfahren, welche aus Alters-, Größen- oder sonstigen Beschränkungsgründen nicht mitfahren können - eben ein Erlebnis für die ganze Familie. Das Ergebnis steht nun weithin sichtbar mitten im Park. Ein Flying Coaster der Edelachterbahnschmiede Bolliger & Mabillard aus Monthey/Schweiz.

Das Thema "fliegen" ist für einen Park mit Meerestieren zwar eher ungewöhnlich, doch das Endprodukt könnte nicht naheliegender sein. Namensgeber des neuen Publikumsmagneten wurde der Mantarochen (Manta birostris). Diese eleganten Tiere "fliegen" mithilfe ihrer Flügel wie schwerelos durch (und manchmal auch über) den Ozean. Und so kann der Besucher heute in Sea World einen Flug gemeinsam mit den majestätischen Mantarochen erleben, und das quasi ohne nass zu werden.

Panorama
Wasserfall

Aufwändige Landschaftsgestaltung

Nach Betreten des Parks wenden wir uns nach links und folgen dem Weg. Schon nach wenigen Metern fällt die markante Silhouette der Bahn dem Besucher ins Auge. Die elegant gebogenen Schienen in sattem Marineblau schrauben sich wie gemalt durch den floridianischen Himmel. Der Eingang zu Manta befindet sich gleich gegenüber des "Turtle Point". Ein mit Farnen bewachsener Fels mit einem Wasserfall, einer Manta-Plastik und dem Namensschriftzug weist uns den Weg. Der Eingang führt durch den Wasserfallfelsen zu einem Tunnel, in dem wir unseren Augen kaum zu trauen wagen. Überall sind mächtige Plexiglasscheiben eingelassen, wir sehen in einiger Entfernung die glitzernde Wasseroberfläche, allerlei Fischschwärme flitzen durch das nasse Element und auch die Namensgeber der Bahn - die Mantarochen - sind in Massen vertreten und gleiten majestätisch an den staunenden Gästen vorbei.

Hier greift nun das Konzept voll ein: die Nichtfahrer können über einen separaten Eingang ebenfalls diese Aquarien bestaunen. Sind es in der Warteschlange lediglich Scheiben in den Wänden, so ist im separaten Bereich eine enorm große Plexiglasdecke integriert - manche der Bewohner haben es sich auch gleich hier gemütlich gemacht. Ein für Kinder konzipiertes 360°-Aquarium lässt sie in die Unterwasserwelt eintauchen, aber auch Erwachsene können sich der Faszination nicht entziehen und kriechen in den Ausguck.

Aquarien
Aquarien
Aquarien
Aquarien
Zug

Der Zug mit heruntergeklappten Sitzen

Wir nähern uns dem Einstieg und dem Einstieg…richtig gelesen, die Bahn besitzt eine Doppelladestation, um möglichst schnell einen der drei eingesetzten Züge zu ent- und beladen und die Kapazität dem gut besuchten Park gerecht werden zu lassen. Ein Mitarbeiter weist uns den Weg nach rechts oder links, eine Treppe führt nach oben zum Bahnhof. Ein weiterer Mitarbeiter teilt uns die Plätze zu, aber auch Platzwünsche dürfen geäußert werden. Die Züge bestehen aus acht viersitzigen Wagen und einem zusätzlichen Führungswagen ohne Sitze. Der Führungswagen, das sogenannte Frontcar, ist ausnehmend hübsch gestaltet - als ein großer Manta gefolgt von einer "Schule" aus verschieden großen Artgenossen, welche uns auf unserer Fahrt begleiten werden und auch zwischen den einzelnen Wagen immer wieder zu finden sind.

Station
Lifthill
Pretzel Loop
Pretzel Loop
Manta

Manta im Pretzel Loop

In-Line Twist

Ausfahrt aus dem In-Line Twist

Splash

Streifflug über das Wasser

Wir nehmen in einem der 32 Sitze Platz, schließen die Schulter- und Beinbügel und werden nach der obligatorischen Kontrolle für den Start mit einem turbinenähnlichen Aufheulen durch die Hydraulik in eine liegende Position unter der Schiene gehoben - ein Blick auf das Frontcar und wir fühlen uns ganz wie ein Manta. Der Zug setzt sich langsam in Bewegung und fährt über die Weiche auf den Lifthill, sanft gleitet die Kette in die Aufnahme und der Aufstieg beginnt ohne spürbaren Ruck. Der Lift beschleunigt merklich und wir steigen immer höher hinauf, die überaus bequeme Liegeposition vermittelt schon jetzt ein angenehmes Kribbeln im Bauch. Ein letzter Blick nach links und rechts auf die Parklandschaft und direkt unter uns die staunenden Gesichter der Besucher und los geht der Flug.

In einer leichten Rechtskurve stürzen wir in die Tiefe, man hat das Gefühl, mit dem Bauch über den Boden zu streifen, schon geht es auch wieder aufwärts zum ersten großen Fahrelement, dem Pretzel Loop, im Prinzip ein auf den Kopf gestellter Looping, in welchen wir nun mit Schwung einfahren. Im Scheitelpunkt herrscht Schwerelosigkeit - wir fliegen wirklich mit dem Manta. Die Welt steht kurz Kopf - oder sind wir das? Der Pretzel-Loop drückt uns während des Abstiegs und in Bodennähe ordentlich in die Rückenlehne. In den ersten Reihen nicht allzu sehr, weiter hinten wird es zu einem atemberaubenden Erlebnis. Aber da sind wir auch schon wieder oben und schwenken in eine scharfe 90°-Linkskurve - durch den Loop hindurch in einen 360°-Corkscrew, in dem sich der Zug korkenzieherartig um die Schiene schraubt. Wieder tauchen wir nach rechts mit Hochgeschwindigkeit in eine 270° Abwärtshelix und nochmals durchqueren wir den Loop mit einem 360° Inline-Twist, hier windet sich die Schiene um den Zug im Gegensatz zum Corkscrew. Immer noch recht flott erklimmt der Zug den Anstieg zur Blockbremse, an deren Ende gleich noch ein Höhepunkt der Bahn folgt. In einer schnellen Rechtsabwärtskurve taucht der Zug scheinbar mit dem rechten Flügel ins Wasser und umrundet mit einer wunderschönen Fontäne eine kleine Palmeninsel. Die Mitfahrer der letzten beiden Reihen bekommen hier ab und an auch ein paar Spritzer ab. Wir fliegen über den Wasserfall des Eingangs um nach einem nochmaligen 360° Corkscrew und der abschließenden Linkskurve in der Schlussbremse zu landen. Langsam passiert der Zug die Wartungshalle, überquert das Verschiebegleis und hält nach einer Linkskurve und der Weiche in einem der beiden Bahnhöfe. Die Sitze schwenken wieder nach unten und geben uns frei. Mit einem euphorischen Gefühl im Bauch verlassen wir den Bahnhof.

Manta
Manta
Manta
Manta
Technische Daten
Hersteller:Bolliger & Mabillard
Monthey, Schweiz
Eröffnung:22. Mai 2009
Höhe:43 Meter
Länge:1024 Meter
Topspeed:90 km/h
Kapazität:1500 P/h
Besonderes:Pretzel Loop,In-Line Twist,
2 × Korkenzieher
Fahrtdauer:2:35 Minuten
In-Line Twist

Neben den schon bestehenden Bahnen Shamu Express (Zierer Family Coaster im Orca Design), Kraken (B&M Floorless Coaster) und der Wasserachterbahn Journey to Atlantis (Mack Rides) hat sich die Sea World Orlando mit Manta ein weiteres sehr gelungenes Schmuckstück für Ihr Portfolio geleistet. Die Bahn ist vollkommen in den wunderschön angelegten Park integriert und von allen Seiten einseh- und erlebbar. Die Wartezonen allein, umringt und bedeckt von Aquarien, bieten eine gelungene Einstimmung auf die Fahrt. Und sie laden auch Nichtfahrer zum Verweilen ein, der eigens dafür angelegte Zugang bietet eine komfortable Möglichkeit, auch ohne Fahrt die interessanten und unterschiedlichen Ansichten der zahlreich vorhandenen Unterwasserfaunen zu bestaunen. Die sehr angenehme und ausgewogene Fahrt des B&M Flying Coasters tut ein Übriges, um sich gleich wieder anzustellen und ein weiteres Mal mit den Mantas auf einen Ausflug durch die (Luft)Ozeane aufzubrechen.



Text: Lifthill.net - mk | Fotos: Lifthill.net