Mammut

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04/2008
Gesamtansicht

Blick auf die neue Hauptattraktion Tripsdrills

Holzachterbahnen in Deutschland sind eine Rarität. Als hierzulande die ersten Freizeitparks ihre Tore öffneten, galt Holz als ein veralteter Baustoff für die rasanten Schienenfahrgeschäfte - Stahlachterbahnen waren in Mode und durch ihre vergleichsweise sehr geringen Wartungskosten waren sie trotz des höheren Anschaffungspreises sehr begehrt. Zur Zeit sind daher nur zwei solcher Anlagen in Deutschland in Betrieb: Im Movie Park Germany bei Bottrop-Kirchhellen rattern seit 1999 die Züge der Holzachterbahn Bandit durch das Gebälk, während Besucher des Heide-Park Soltau seit 2001 auf Colossos wilde Auf- und Abfahrten erleben können. Diese Anlagen zeigen auch ein langsames, aber stetiges Umdenken auf: Holzachterbahnen werden nicht mehr als ein veralteter Achterbahn-Typ angesehen, sondern vielmehr als eine interessante Alternative zu den Anlagen aus Stahl.

Mindestens genauso viel Geschichte wie die Holzachterbahn hat der schwäbische Freizeitpark Tripsdrill aufzuweisen. Seit 1929 locken hier Attraktionen für die ganze Familie die Besucher zu den Weinbergen bei Cleebronn. Jede Ecke und jede Attraktion im Park passt sich dabei von der Gestaltung mit Charme und Witz der lokalen Kultur an. Ob im Waschzuber-Rafting durch wilde Stromschnellen oder in der G'sengten Sau auf turbulenter Achterbahnfahrt, die Originalität der Attraktionen ist immer unverkennbar. Die neue Großattraktion des Parks steht dem in nichts nach und schon der Name lässt Großes erahnen: Die Neuheit 2008 trägt den Namen "Mammut".

Mammut Panorama
Lifthill

Auffahrt auf den Lifthill

Bei Mammut handelt es sich um eine neue Achterbahn, welche damit die dritte des Parks darstellt. Überraschenderweise jedoch ist Mammut keine Stahlachterbahn, sondern die erste Holzachterbahn für Tripsdrill und den süddeutschen Raum. Dabei fiel es den Betreibern von Tripsdrill, Familie Fischer, nicht schwer, den Rohstoff Holz zu wählen. Der natürliche Charakter von Holz passt perfekt in das Erscheinungsbild des Parks zwischen Wiesen, Feldern, Weinbergen und Wäldern, wo sich jede Attraktion in die Umgebung einfügt. Gleichzeitig bietet eine Holzachterbahn viele interessante Gestaltungsmöglichkeiten.

Der Name der Bahn ist eine Anspielung auf die Mammuts der Urzeit sowie den großen Mammutbäumen - beide sind bekannt für ihre großen Ausmaße, bei welchen die neue Achterbahn dem Gedankenbild treu bleiben wird. Mit einer Höhe von 30 Metern, einer Streckenlänge von 860 Metern und einer Höchstgeschwindigkeit von etwa 90 Stundenkilometern ist Mammut die größte Achterbahn von Tripsdrill. Für den Bau wurden 7000 Kubikmeter Erde abgetragen sowie zwei Millionen Nägel und eine Million Schrauben benötigt. Das Gesamtvolumen der Investition beträgt sechs Millionen Euro - ein wirkliches Mammut-Projekt also für den Familienpark.

Mammut
Mammut
Mammut
Mammut
Zug

Zugdesign mit Kreissägenlook

Station

Die Station im Stil einer Sägerei

Station

Das Innere der Station

Renommierte Namen und Hersteller sind an der neuen Holzachterbahn beteiligt. Hierbei war es der heimatverbundenen Betreiberfamilie Fischer wichtig, möglichst Partner aus Deutschland für das Projekt zu finden. Daher wurde Mammut zur ersten Holzachterbahn komplett "Made in Germany". Berechnet wurde die Strecke vom etablierten Ingenieurbüro Stengel, welches sich für die Berechnung von vielen Achterbahnen auf der Welt verantwortlich zeigt und einen herausragenden Ruf in der Branche genießt. Für die Fertigung der Strecke war die Firma Ing-Holzbau Cordes GmbH & Co. KG verantwortlich, die ihr Können schon bei anderen großen Holzachterbahnen wie Colossos im Heide Park und Balder im schwedischen Liseberg unter Beweis gestellt haben. Die Züge der Bahn, zwei an der Zahl mit je 4 Wagen für 6 Personen, lieferte die Gerstlauer Amusement Rides GmbH. Das Holz für die Achterbahn stammt ausschließlich aus deutschen Wäldern, zum Teil auch aus Waldbeständen direkt in der Nachbarschaft von Tripsdrill.

Auf die Haltbarkeit der neuen Holzachterbahn wurde besonders viel Wert gelegt. Als Richtwert setzte man eine Dauer von mindestens 50 Jahren an. Um dies zu erreichen, wurden spezielle bautechnische Verfahren angewendet. So steht die Achterbahn auf einer Betonplatte, damit das Regenwasser leicht von der Attraktionsfläche abfließen kann. Außerdem hat Ing.-Holzbau Cordes GmbH & Co. KG die Schienenteile nicht, wie normal üblich bei Holzachterbahnen, direkt vor Ort zusammengezimmert, sondern schon vorab fabriziert und die fertigen Teile nach Cleebronn transportieren lassen, wo sie nur noch in die Bahn eingesetzt werden mussten. Dadurch erhöht sich die Genauigkeit der Schienenführung.

Für die Gestaltung der Anlage ist Emmanuel Mongon verantwortlich, welcher seit 1995 die Gestaltung von neuen Attraktion in Tripsdrill plant. Auch Mammut hat ein passendes Thema erhalten, der Attraktion ist sogar ein eigener Themenbereich gewidmet: Das Sägewerk. Sobald der gesamte Themenbereich 2010 fertiggestellt sein wird, führt die Warteschlange sowie ein Teil der Bahn durch das Werk hindurch, vorbei an vielen Ausstellungsstücken. Doch bereits jetzt schon liegt in der Station der Achterbahn viel Holz, welches darauf wartet, zersägt zu werden, und auch andere authentische Objekte und natürlich Sägen zieren das Gebäude. In der Struktur der Holzachterbahn wurde zudem viel Schauholz verbaut, welches für die Statik der Bahn unerheblich ist, ihr jedoch einen sehr schönen und unverwechselbaren Look gibt. Die Züge selbst sind als eine gigantische Säge gestaltet, welche sich ihren Weg durch das Gebälk bahnt.

Mammut
Mammut
Mammut
Mammut
Zug

Mammut gibt Gas, dass die Späne fliegen

Zug

Wir nehmen in einem der beiden Züge Platz und schließen den Sicherheitsbügel. Die Sitze sind gepolstert und sehr bequem, zudem gibt es keine zusätzlichen Sicherheitsgurte, welche das Fahrterlebnis trüben könnten. Der nächste "Arbeitseinsatz" beginnt und unser Zug - pardon, unsere Säge - setzt sich in Bewegung. Aus dem Bahnhof heraus folgt eine Linkskurve, gefolgt von einer kurzen geraden Strecke - das Verschiebegleis, um Züge von und auf das Abstellgleis zu befördern. Nach der Geraden durchfahren wir einen kleinen Drop, welchem sich der Lifthill anschließt. Während der zügigen Fahrt nach oben bleibt ein Großteil der Strecke außer Sichtweite und die Anspannung steigt.

Auf 30 Metern Höhe angekommen bleibt uns kaum Zeit, die Aussicht zu genießen. Schon stürzen wir 30 Meter in die Tiefe und rattern mit 90 Stundenkilometer durch das Tal. Es folgt eine hohe Rechtskurve, die unseren Zug aber kaum an Geschwindigkeit verlieren lässt. Nach dem darauffolgendem Tal und dem ersten Hügel rasen wir in eine Helix in einer Linkskurve, in der es erst Aufwärts, dann wieder stetig abwärts geht. Wir nehmen ordentlich an Fahrt auf und rasen über den nächsten Hügel direkt über den Eingang der Bahn, bevor wir in der anschließenden Helix rechtsherum an der Warteschlange vorbeirauschen. Der nächste Hügel liegt direkt unter dem Lifthill, bevor die Strecke nach links abknickt. Nun sägen wir uns mit vielen Richtungswechseln mal linksherum, mal rechtsherum durchs Gebälk, bevor wir schließlich aus unseren Sitzen gerissen werden und in einen stockdunklen Tunnel voll mit Wassernebel stürzen.

Wir spüren den Richtungswechsel von einer Links- in eine Rechtskurve und rasen sogleich wieder ans Tageslicht. Wir heben abermals sehr heftig aus unseren Sitzen ab und werden zudem gleichzeitig noch nach links geworfen, als unser Zug sich die letzten Meter von der Rechtskurve in die Schlussbremse sägt und noch mit einiger Geschwindigkeit hinein brettert. Stark abgebremst liegt nur noch eine Linkskurve zwischen unserem Zug und dem Bahnhof, dann ist der Mammutritt geschafft.

Mammut
Mammut
Mammut
Mammut
Technische Daten
Hersteller:Ing.-Holzbau Cordes
Gerstlauer Amusement Rides GmbH
Eröffnung:28. April 2008
Höhe:30 Meter
Länge:860 Meter
Topspeed:90 km/h
Züge:2 mit je 4 Wagen, jeder Wagen je drei Reihen für zwei Personen = 24 Personen pro Zug
Besonderes:Erste Holzachterbahn komplett
"Made in Germany"
Kosten:ca. 6 Mio. Euro komplett
(Bahn+Themenbereich)
Mammut

Eine neue Holzachterbahn in Deutschland - allein diese Tatsache ist schon Grund zur Freude genug. Doch nachdem nun das Endprodukt für jedermann fahrbar im schwäbischen Ländle steht, ist eindeutig: Die gewagte Investition von Tripsdrill hat sich gelohnt. Mammut hat eine interessante Thematisierung, eine abwechslungsreiche Streckenführung und macht vor allem viel Spaß - den Fahrgästen wie auch den Zuschauern. Dabei ist die Fahrt absolut familientauglich und daher perfekt für den mit Liebe gemachten Familienpark geeignet. In den nächsten Jahren werden zudem neben zusätzlicher Thematisierung auch neue Attraktionen das Angebot des Bereichs erweitern und vervollständigen. Wir gratulieren Tripsdrill zur gelungenen neuen Mammut-Neuheit und freuen uns schon auf unseren nächsten Besuch im Sägewerk!






Text: Lifthill.net - ak | Fotos: Lifthill.net