Schon mit allerlei Achterbahnen sämtlicher Couleur bestückt und trotzdem noch hungrig nach mehr - so präsentierte im Jahr 2009 die Cedar Fair Gruppe für Kings Dominion ihr neustes Projekt: Intimidator 305. Mit 23 Millionen US-Dollar die bis dato größte Einzelinvestition in der 35jährigen Geschichte des Parks im Bundesstaat Virginia.
Nun sollte es also ein NASCAR-thematisiertes Ungetüm werden, dass die Besucher bereits vom Highway zwischen Richmond und Washington aus anlockt. Schon zu Beginn des Tages ist Intimidator 305 der erste Halt für viele Parkbesucher.
Die knapp 93 Meter in die Höhe ragende Stahlkonstruktion schafft es dann aber doch recht gut, sich im Parkbild zu verstecken und der Besucher kann die Bahn selbst nur zwischen Schlussbremse und Station bestaunen - die restliche Strecke ist leider fast komplett uneinsehbar.
Vorbei an Volcano, dem Backlot Stunt Coaster und Dominator führte uns der erste Anlaufpunkt des Tages zu Intimidator 305. Ein bisschen Abseits gelegen mischt sich die Achterbahn geografisch in die Reihe zwischen Anaconda und Flight of Fear, bietet aber außer drei Schautafeln und einem NASCAR-Auto zu wenig um sich mit der Thematik der Rennwagen vertraut zu machen. Die Wartereihen der neusten Intamin-Anlage präsentierten sich aber zu Beginn des Tages ähnlich leer wie auch in den kommenden Stunden. An einem gut gefüllten, sonnigen Tag, bei dem die Warteschlangen von Volcano und Flight of Fear bei 20 Minuten lagen, konnte man bei Intimidator 305 meist im nächst einfahrenden Zug Platz nehmen.
Im Bahnhof selbst fällt der extrem lange Achterbahnzug mit insgesamt 16 Reihen ins Auge - was den Einsatz von 2 Teams der Abfertigungscrew fordert, um die Bügel und Sicherheitsgurte in kurzer Zeit zu prüfen. Die Verwendung von Hartgummi-Bügeln in Kombination mit dem gleich folgenden Track-Layout wird sich in den nächsten 3 Minuten der Fahrt als schmerzhafte Wahl herausstellen. Mittlerweile erkannte man wohl das Problem auf Seiten von Intamin und Cedar Fair und rüstet die Züge nun mit weicheren, schaumartigen Westen aus. Dennoch ist der Fahrtverlauf mit einer Sicherung auf Halsebene mehr als unangenehm.
Doch nun Platz genommen in den Sitzen, Bügel geschlossen und Sicherheitsgurt angelegt und wir sind startklar. Nachdem die Freigabe erteilt wurde schiebt sich der Catch-Car des Seillifts unter den Zug und wir bewegen uns zunächst langsam aus der Station heraus. Kaum hat das erste Drittel des Zuges den Lift erklommen, beschleunigt dieser auf eine schnelle Steiggeschwindigkeit. In nur wenigen Sekunden erreicht man den höchsten Punkt der Anlage um von dort - überraschenderweise - mit langsamer Geschwindigkeit den ersten Teil des First Drop zu absolvieren. Erst nachdem der Zug die Magnetbremsen im steilsten Teil der Abfahrt durchfahren hat, beschleunigt dieser bevor man sich in die erste große Kurve in Bodennähe begibt. Dort kommt es trotz Einsatz dieser Bremsen immer wieder vor, dass einige Mitfahrer mit den physikalischen Kräften kämpfen müssen. Bei einer langen Warteschlange, den entsprechenden Temperaturen und einer Portion Nervosität könnte sich diese Anlage als Hauptanlaufpunkt für die Sanitätsstation des Parks erweisen.
Direkt nach der Kurve erklimmt man unter dem Lift einen hohe Hügel, bei dem relativ sanfte negative G-Kräfte wirken. Erst im Anschluss feuert die Bahn ihr Potenzial an Richtungswechseln gepaart mit hohen Beschleunigungskräften auf die Fahrgäste. Die Umschwünge fallen dabei sehr schnell, ja sogar zu schnell für unser Empfinden aus. Der Oberkörper, dessen einzige Stabilisierung der Schulterbügel ist, wird regelrecht herumgeschleudert und die Bügel schlagen in Höhe des Kopfes oder des Halses ein. Ein sehr unangenehmes Achterbahnerlebnis ist die Folge. Nach einigen im TopSpeed durchfahrenen S-Kurven schließen sich 2 Airtime-Hügel an, welche die Fahrgäste nur so aus dem Sitz ziehen. Das angenehme Gefühl der negativen Beschleunigung noch im Kopf donnert der Zug aber mit brachialer Gewalt in die letzten Richtungswechsel. Die Schlussbremse ist dann auch wieder der Teil, bei dem die Besucher der Bahn am nächsten kommen werden, liegt sie doch direkt am Eingang zur Warteschlange.
Bei genauem Hinsehen fällt uns dabei auf, dass die komplette Bremsstrecke bis in den Bahnhof hinein mit Wassersprenklern ausgestattet ist, um sämtliche Laufräder nach der Fahrt zu kühlen. Der Verbrauch an Vulkollan für die Achterbahnräder muss enorm sein bei der wilden Hatz durch Kurven und Täler.
| Technische Daten: | |
|---|---|
| Hersteller: | Intamin Transportation Ltd. Schaan, Liechtenstein |
| Eröffnung: | 02.04.2010 |
| Höhe: | 93 Meter |
| Länge: | 1555 Meter |
| Topspeed: | 128 km/h |
| Fahrzeit: | 3 Minuten |
| Kapazität: | 1350 P/h |
| Kosten: | 25,000,000 USD |
In der Gesamtbetrachtung ist Intimidator 305 über sein Ziel hinausgeschossen - Rennfahrerfeeling mit einer Achterbahn zu kombinieren klappt bei dieser Anlage wirklich nicht. Der Start mit seinem kraftvollen und schnellen Kabellift hinterlässt dabei wohl die meiste Begeisterung. Alles was daraufhin folgt, hat mit komfortabler Fahrdynamik wenig zu tun. Die Kräfte, die auf dieser (bereits verlangsamten) Bahn herrschen sind zu brachial, um ein Vergnügen für die gesamte Familie darzustellen. Dass Höhe kombiniert mit Schnelligkeit nicht immer das Grundrezept für einen weiteren Meilenstein der Achterbahn-Konstrukteurs-Kunst sind demonstriert Intimidator 305 wie keine zweite Anlage. Zu hoffen bleibt, dass die Schulterbügel-Dynastien bald der Vergangenheit angehören werden und zu übermütige Dynamik-Berechnungen einem Hauch an Gelassenheit weichen werden.
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