Der Fliegende Holländer

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06/2009
Der fliegende Holländer

Der fliegende Holländer

Im 19. Jh. begab es sich, dass Kapitän Hendrik van der Decken in See stach, um mit seinem Handelsschiff um das Kap der guten Hoffnung zu segeln und die damals holländische Kolonie Kapstadt zu erreichen. Doch sein Segelschiff geriet in einen schweren und lang anhaltenden Sturm und es wurde wochenlang unmöglich das Kap zu umschiffen. Der Kapitän verfluchte Gott und die Welt und als Strafe dafür wurde sein Schiff mit samt der Besatzung dazu verdammt, für immer auf hoher See zu fahren, ohne je einen Hafen anlaufen zu können. Dieses Geisterschiff soll unglaubliche Fähigkeiten besitzen: Es kann bei jedem Wetter segeln und ist in der Lage zu tauchen und zu fliegen, doch wer es sieht, wird seines Lebens nicht mehr froh.

Der führende niederländische Freizeitpark Efteling lässt jene aufregende Geschichte mit seiner neusten Investition erneut aufleben. Dabei wird den Besuchern mit knapp einjähriger Verspätung eine bisher einmalige Mischung an verschiedenen Fahrerlebnissen geboten.

Der fliegende Holländer
Der fliegende Holländer
Der fliegende Holländer
Der fliegende Holländer
Anstehbereich

Auf einem mit zahlreichen Blumen gesäumten Vorplatz beginnt für uns das Abenteuer rund um diese aufregende Sage. Beim Betreten des Hauses von 1667 bemerken wir sofort den Geruch von verbranntem Holz in den sehr unheimlich anmutenden alten Gemäuern. An mit Ruß bedeckten Wänden erblicken wir gleich im ersten Raum das Portrait von Kapitän van der Decken und sein Handelsbuch, das verlassen auf einem Lesepult liegt. Weiter führt uns der Weg durch die Bibliothek: Auf der Rechten bemerken wir einen großen Spiegel, in dem plötzlich das Hologramm des Kapitäns erscheint und uns von seinem Fluch berichtet. Ein in der Mitte zerrissenes Gemälde der alten Handelsflotte weist uns den Eingang zum unterirdischen Tunnel in Richtung Hafen. Nach ein paar zögerlichen Schritten fängt es plötzlich zu knistern an, Flammen lodern am anderen Ende des Tunnels auf und fressen sich rauchend an der abgestützten Decke über die Köpfe der Wartenden in unsere Richtung. Der Flammenhölle gerade noch entronnen finden wir uns in der Vorratskammer direkt am Hafen wieder, den man von hieraus durch die kleinen Fenster bereits sehen kann. Kurz vor Erreichen des Hafens haben wir dann die Wahl, ob wir in das rechte oder linke Boot der Doppelladestation einsteigen wollen.

Doppelladestation
Hafen

Nächtliche Atmosphäre im Hafen

Herrschte vor dem Betreten der beschaulichen Häuserfassaden noch grelles Tageslicht vor, tauchen wir nun in eine nächtliche Hafenstimmung innerhalb des Attraktionskomplexes ein. Die Musikuntermalung die zunächst zum Mitpfeifen einlädt und später zum absoluten Ohrwurm avanciert, unterstützt das abenteuerliche Gefühl gleich in die hohe See zu stechen. Ohne sichtbare Schienen und mit geschickt versteckten Schaltpulten, lenkt nichts von dieser Seefahrer-Stimmung ab. Die Efteling auszeichnende Liebe zum Detail wird hier besonders deutlich. Wir nehmen in einem der elf Boote Platz und schon beginnt unsere Reise um das Kap der guten Hoffnung. Die Sitzanordnung der Boote des Herstellers Kumbak ist gewöhnungsbedürftig: In Reihe eins und drei können je drei Personen Platz nehmen, während in Reihe zwei und vier je vier Personen mitfahren dürfen. Das leichte Stadium-Seating ist leider durch die sehr hohen und massiven Kopfstützen nicht besonders effektiv. Vor dem Bug hat jedes Boot eine Löwenfigur, die den Bug umgreift und eine Laterne im Maul trägt. Eben diese ist auch während der Fahrt in Betrieb und bildet eine Schlüsselrolle in den sich anschließenden Szenen.

First Drop
First Drop
First Drop

Hafen

Gleich nach dem Ablegen durchfahren wir eine durch ein Tor abgetrennte Szene: Zwei große Schiffsrümpfe lassen sich im Mondschein erkennen, an denen wir gerade so hindurchpassen. Nach einer Rechtswende geht es durch ein weiteres Tor. Die Stimmung wird düsterer, doch die Laterne am Bug leitet unseren Weg. Aufkommender Nebel lässt die Hand vor Augen schwinden und das Licht der Laterne beginnt zu flackern und umspielt den Nebel. Plötzlich beginnt der Himmel zu blitzen und die Regenmassen stürzen vor und neben unserem Boot herab. Vor uns erscheint auf einer Wasserwand das Abbild des Handelsschiffes auf stürmischer See. Kurz vor Erreichen eben dieser setzt sie schlagartig aus und wir werden einen kleinen Hügel hinauf befördert. Überraschend aus dem Nichts stürzt eine Galionsfigur am Bug eines riesigen Schiffes auf uns zu, doch in letzter Sekunde taucht unser Boot ab und stürzt mit uns einige Meter in die Tiefe der Dunkelheit. Nach Durchfahren der Talsenke kommen wir ruckartig auf dem nachfolgenden Lift zum stehen, ehe wir darauf von der Stahlkette erfasst mit schneller Geschwindigkeit nach oben gezogen werden. Der Effekt des plötzlichen Stopps ist zwar eine technische Notlösung von Intamin, nachdem Kumbak an Problemen mit der Synchronisation der Kette verzweifelt war, wird aber gekonnt mit roten Lichteffekten und theatralischer Musik inszeniert. Oben angekommen merken wir, dass die ursprüngliche Neigung des Lifts von 45 Grad sich langsam verändert, doch wir erkennen nicht, wo der Track weiterführen wird. Erst in allerletzter Sekunde öffnet sich ein Tor, das den Weg in den First Drop freigibt.

Der fliegende Holländer
Der fliegende Holländer
Der fliegende Holländer
Der fliegende Holländer
Splash

Boot

Zunächst wird im First Drop ein Onride-Foto von uns geschossen, ehe es in einer Rechtskurve weiter in die Tiefe geht. Die geneigte Kurve am Fuße des Liftturms führt uns durch eine mit Nebel umhüllte, durchbrochene Holzwand. Nach Erreichen der Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h erklimmen wir auch schon den ersten Camelback, auf dem es aber deutlich langsamer voran geht und wo von Airtime nicht wirklich etwas zu spüren ist. Wieder Geschwindigkeit aufgenommen, begibt sich unser Boot in ein ebenfalls zäh durchfahrenes Horseshoe Element mit 95 Grad Banking. Weiter geht unsere Fahrt auf die Blockbremse, die sich optisch nett präsentiert in einer kleinen Hütte befindet und das Boot nochmals deutlich abbremst. Den letzten Teil der Achterbahnfahrt stellt eine Linkskurve dar, bevor wir final mit unserem Boot in den See eintauchen. Unser Boot erfasst die Wassermassen zunächst nur dank der angebrachten Wasser-Führungs-Rohre unterhalb der Boote. Somit werden wir an den erfahrungsgemäß meist nasseren Sitzen im vorderen Teil des Bootes oder auf den äußeren Plätzen mit nahezu keinem Spritzwasser bedacht - leider ein absolut trockenes Erlebnis. Erst nach weiterer Bremsung des Boots, taucht es komplett in den See ein und klinkt sich tief liegend in eine unter Wasser liegende Kette ein. Mit zügiger Geschwindigkeit werden wir daraufhin zurück zur Hafenstation geführt.

Der fliegende Holländer
Der fliegende Holländer
Der fliegende Holländer
Der fliegende Holländer
Technische Daten
Hersteller:KumbaK Coasters
Eröffnung:1. April 2007
Höhe:22,5 Meter
Länge:420 Meter
Topspeed:70 km/h
Kapazität:1900 P/h
Besonderes:Mischung aus Walktrough,
Darkride und Watercoaster
Fahrtdauer:3:45 Minuten
Kosten:20 Millionen Euro
Hafen

Der Fliegende Holländer erweitert das Fahrattraktions Portfolio von Efteling um eine gute Wasserattraktion. Sowohl Idee als auch Gestaltung der Bahn sind fantastisch gelungen und lassen darauf hoffen, dass auch andere Parks die Kombination aus Walk-Through, Darkride und Achterbahnfahrt zukünftig adaptieren werden. Ein Wehmutstropfen einer solchen Attraktionskombination ist natürlich, dass sämtliche Anteile für sich betrachtet nicht gerade überdimensioniert ausfallen. Auch das eigentliche Fahrgefühl der Boote lässt leider zu wünschen übrig: Klappern, Schlagen und Rappeln gehört zu den Lieblingsgeräuschen beim Fliegenden Holländer. Trotz dieser störenden technischen Defizite und des für Efteling fast schon traditionell kurz ausgefallenen Fahrerlebnisses, ist der Fliegende Holländer eine gelungene Ergänzung für den holländischen Freizeitpark-Marktführer.









Text: Lifthill.net - mr, gs | Fotos: Lifthill.net