Bei der Weinherstellung sollte man sich ja bekanntlich Zeit lassen. Das dies nicht immer stimmen muss, davon möchte uns der spanische Park PortAventura überzeugen. Mit Vollgas durch die Weinberge, Europas schnellste Achterbahn setzt Akzente in jeder Beziehung. Bleibt zu hoffen, dass bei diesem Transport nicht der Wein krank wird.
Das alte Weingut steht auf einem kleinen Hügel am Ausläufer des mediterranen Themenbereiches. In mehreren Terrassen sind junge Weinstöcke angebaut. Neuer Besitzer des Weinberges ist ein Wissenschaftler, der viele Jahre in Afrika lebte und unlängst das Weingut von einem Onkel erbte. So zumindest erzählen viele kleine Tafeln in der Warteschlange die Geschichte. Um die Weinherstellung effektiver zu gestalten, baute der Wissenschaftler mit seinen Helfern (roboterähnliche Wesen und ein Assistenzaffe) eine Transportvorrichtung für die Weinfässer. Der Affe startete den Apparat jedoch zu früh und die Maschine katapultierte die Weinfässer mitsamt den mechanischen Helfern in den Weinberg. Die Reste der zertrümmerten Fässer liegen noch heute am Fusse der Reben auf dem trockenen Boden verstreut. Die mechanischen Helfer stecken bewegungslos kopfüber in der Erde oder kleben an den Stützen der Strecke. Nun ist es an uns, die Fässer auf ihrer wilden Reise über den Weinberg zu begleiten.
Wir betreten den Ausläufer des Weinberges und folgen den Terrassen bis hinauf in das Weingut. Vorbei an einer seltsam konstruierten Kelter und Abfüllanlage geht es in einen großen Vorraum, der primär mit einer Zick-Zack Warteschlange ausgestattet ist. In der Mitte sind einige Weinkisten, Flaschen und Ähnliches in einem Regal ausgestellt. Auch technische Zeichnungen auf einer Kreidetafel, die die Konstruktion von Furius Baco erahnen lassen, wurden ausgestellt. An den Wänden sind kleine Tafeln mit Zeichnungen angebracht, welche die Geschichte des Wissenschaftlers und den Bau der Maschine erklären. Durch die offen gehaltenen Wände kann man einen kleinen Teil der Strecke einsehen; so z.B. den Inline-Twist kurz vor dem Streckenende, aber auch ein kurzes Stück der Abschussstrecke. Das meiste der Bahn bleibt dem Auge des Betrachters aber verborgen. Kurz vor dem Bahnhof passieren wir ein Drehkreuz, welches beim Durchschreiten der Passagiere automatisch einen Teil der Maschine in Bewegung setzt.
Der Bahnhof ist relativ schlicht gehalten. In einer Ecke stehen ein paar Weinfässer herum, gegenüber der Einstiegsplattform finden sich an einer kleinen Mauer drei kleine Schränke für Taschen und Rucksäcke. An einem Seil hängt der Assistenzaffe von der Decke und schaukelt grinsend im Wind. Nun rollt das seltsame Gefährt zum Transport der Weinfässer in den Bahnhof ein.
Noch sehr ungewohnt sehen die neuen "Wing Rider Züge" von Intamin aus. Über jedem Fahrwerk ist ein Weinfass festgeschnallt. Seitlich sind flügelähnliche Ausleger mit je zwei Sitzen angebracht. Die intamintypischen Schulterbügel dagegen wirken mittlerweile schon gewohnt. Sechs Fässer fassen zusammen 24 Passagiere pro Fahrt. Für den Ein- und Ausstieg ist an jedem Fass ein Übergang auf die andere Seite des Zugs angebracht. Wir nehmen in einem der 24 Sitze platz und schließen den Bügel. Durch die leicht versetzte Anordnung der Sitze hat man von jedem Platz ein freies Sichtfeld nach Außen.
Zwei große Holztüren schwingen auf und der Zug wird langsam in den Abfüllraum geschoben. Große Zahnräder rotieren quietschend an der Wand. Leitungen führen kreuz und quer durch den Raum. Über eine Treppe klettert der Professor herein und beginnt an den Zahnrädern herumzuschrauben. Der Assistenzaffe kommt auf einem Fahrrad mit Propeller angeflogen. Doch plötzlich läuft alles schief. Der Raum füllt sich mit Wein und der Professor wird von der Abfüllanlage erfasst, gerät erst zwischen die Zahnräder und schießt schließlich durch die großen Rohrleitungen an der Decke. Das ist der Moment, wo wir plötzlich massiv in den Sitz gedrückt werden, denn der Zug schnellt aus dem Stand mit einer gewaltigen Wucht nach vorne. Längst sind wir im Freien, beschleunigen aber immer weiter. Am Ende der Abschussstrecke taucht der Zug mit leichter Airtime in einen kleinen Canyon hinab und wirft sich in eine langgezogene Rechtskurve. Auf den äußeren Plätzen scheinen die Felswände und der Boden gefährlich nahe zu kommen. In atemberaubendem Tempo geht es weiter durch eine S-Schikane und einen etwas hochgezogene rechts - links Umschwung. Wieder bodennah mit kaum nachlassender Geschwindigkeit, passieren wir nun den Inline-Twist, in dem sich der Zug um 360° um die eigene Achse dreht. Unsanft rutschen wir dank fehlender G-Kräfte zwischen Sitzfläche und Schulterbügel hin und her. Eine weit geschwungene Linkskurve über den See und schon kommt der Zug in der Schlussbremse zum stehen.
Das durchgängig hohe Tempo der Bahn ist beeindruckend. Der Fahrkomfort leider beängstigend. Während in der vordersten Reihe auf den Innensitzen die Bahn mit leichten Vibrationen noch passabel fahrbar ist, wird das Geschüttel und Gerappel stärker, je weiter hinten im Zug man Platz nimmt. In den letzten Reihen hat man gar das Gefühl, als ob die außer Kontrolle geratene Weinfasstransportmaschine mit 135km/h auf Stahlrädern über ein Kopfsteinpflaster donnert. Die Außensitze sind generell nicht zu empfehlen.
| Technische Daten | |
|---|---|
| Hersteller: | Intamin Transportation Ltd. Schaan, Lichtenstein |
| Eröffnung: | 05.06.2007 |
| Länge: | 850 Meter |
| Topspeed: | 135 km/h |
| G-Kräfte: | 4,7 G |
| Besonderes: | von 0-135 km/h in 3,5 sek. schnellste Achterbahn Europas |
| Kosten: | 15 Mio. Euro |
Das Weingut und der Weinberg um Furius Baco ergänzen den Themenbereich Mediterrania wunderbar. Die himmelblaue Schienenschleife über den See stört den Themenbereich kaum. Die Fahrt kann jedoch nur bis zur ersten Kurve nach dem Abschuss überzeugen. Die Schwingungen und Vibrationen der Sitze auf dem Rest der Strecke sind je nach Sitzplatz kaum erträglich. Hier herrscht dringender Handlungsbedarf für eine Verbesserung des Fahrkomforts. Ob der Park oder der Hersteller Modifikationen an der Bahn vornehmen wird, ist momentan noch offen. Spätestens wenn der Neuheiten - Bonus der Bahn verbraucht ist, sollte man sich aber um die heftigen Vibrationen Gedanken machen. Vom innovativen Schweizer Hersteller Intamin ist man sonst eigentlich viel Besseres an Fahreigenschaften gewohnt. Dies führt unter dem Strich zu einer Enttäuschung bei dieser Weltneuheit. Tolles Etikett - aber leider Korkgeschmack.
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