Force One

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06/2010
Force One

Die neue Kraft im Schwabenpark

Im Allgemeinen gelten die Schwaben ja eher als sparsame Vertreter der deutschen Bevölkerung. Sowohl beim Geldausgeben als auch beim Verteilen von Lob glänzen sie nicht damit, in der vordersten Reihe zu sitzen. Eine andere Art der ersten Reihe haben sich die Betreiber im Schwabenpark nun aber doch gegönnt und dafür bereitwillig die Geldbörse geöffnet, um die Besucher vielleicht doch zum Aussprechen des höchsten Lobes hinzureissen, dessen die Schwaben fähig sind: "ha ja, mer kos fahra".

Force One
Station

Stationsgebäude

Die erste Abfahrt

Die erste Abfahrt

Nach der Himalayabahn (1989) und dem Crazy Worm (2003) hat der Park mit Force One nun seine dritte und grösste Achterbahn eröffnet. Während die Erstgenannten im tieferen Teil des Parks liegen und vom Eingang aus kaum zu sehen sind, begrüsst die neue Achterbahn die Besucher bereits vor der Ankunft auf dem Parkplatz. Am höchsten Punkt des Parks gelegen schlängelt sich die gelb/rote Stahlkonstruktion auf einem Hügel entlang. Mit Schwung stürzt der Zug abwärts und wirft sich in das kurvige Schienengewirr. Nach 38 Sekunden wilder Fahrt kommt Force One in der Schlussbremse zum Stehen und rollt langsam in das Bahnhofgebäude, wo die nächsten 16 Passagiere auf eine kraftvolle Fahrt warten.

Zwei Millionen Euro hat die neuste Attraktion des Schwabenparks gekostet, wobei von diesem Betrag 170.000 Euro vom Land Baden Württemberg übernommen wurden. Wir wollen einen Blick darauf werfen, ob sich die Investition für den Park gelohnt hat.

Der Weg führt nach dem Parkeingang rechterhand entlang direkt bis vor das Bahnhofsgebäude von Force One. Ein kurzer Anstehbereich führt seitlich an der Station vorbei und im spitzen Winkel wieder zurück, aufwärts zur Ladeplattform. Obwohl der Bahnhof reichlich Platz bietet, sind noch keine Ablagemöglichkeiten für Taschen und andere Gegenstände vorhanden. So landet alles auf dem Boden. Die Passagiere verteilen sich auf die acht Wagen des Zuges. Die 16 bequemen Sitze sind mit schmalen Schoßbügeln ausgestattet, die auf Kommando des Personals zu schließen sind. Dank Sensoren reicht eine Sichtkontrolle der Bügel aus und die Fahrt kann beginnen.

Force One
Force One
Force One
Force One
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Force One in voller Fahrt

Der schmucke Zug im Formel 1 Design schiebt sich aus dem Bahnhof in eine Rechtskurve und erklimmt zügig den Lifthill. Durch die Platzierung auf dem Berg hat man auf den 22 Metern Höhe bereits eine beindruckende Aussicht auf die angrenzende Ortschaft Gmeinweiler und Umgebung. Durch eine geneigte, flache Rechtskurve nimmt der Zug Fahrt auf, bevor die Strecke rasch deutlich abschüssiger wird. Mit 85 km/h taucht Force One unter dem Lifthill hindurch und wirft sich nach einem kleinen Hügel mit spürbarer Airtime in die erste Helix, die zuerst leicht abwärts führt, dann aber wieder an Höhe gewinnt. Hier verteilt die Bahn erstmals ihre deutlichen G-Kräfte. Weiter geht es durch eine kleine Senke in die nächste Rechtskurve zum ersten Umschwung und hinein in die zweite Helix. Wieder geht es aufwärts. Bevor das Tempo richtig abnehmen kann, holt Force One schon wieder Schwung für den nächsten Umschwung. Bodennah fliegt der Zug über einen kleinen Hügel, wirft sich abermals in eine enge Rechtskurve, überfliegt einen noch kleineren Hügel und kommt nach einer letzten Kurve in der Bremse zum Stehen. Die 530 Meter sind geschafft.

Technische Daten:
Hersteller:Zierer
Deggendorf, Deutschland
Eröffnung:18.05.2010
Höhe:22 Meter
Länge:530 Meter
Topspeed:85 km/h
Fahrzeit:38 Sekunden
Max. G-Kräfte:3,7 G
Kosten:2 Mio. Euro
Schlussbremse

Das auffällige Design in den grellen Farben gelb und rot wirkt in der schwäbisch-idyllischen Landschaft doch etwas fremdartig. Das Zugdesign ist -zusammen mit dem Bahnhofsgebäude- jedoch stimmig zur Gesamtanlage. Während die G-Kräfte in den beiden Helices überraschend kräftig wirken, bleibt der Rest der Fahrt sehr ausgewogen. Leider wirken sich unangenehm starke Vibrationen vom Zug negativ auf das Fahrerlebnis aus. In den vorderen Reihen ist dies noch erträglich, doch je weiter man in den hinteren Reihen platznimmt, vibriert der Zug von Force One stärker und störender. Die 21 Jahre alte Wildcat (Himalayabahn) legt hier ein wesentlich angenehmeres Fahrverhalten an den Tag. Force One ist ohne Frage ein optischer Hingucker. Der Streckenverlauf ist dynamisch und kraftvoll, für eine Familienachterbahn an manchen Stellen vielleicht etwas sehr kraftvoll. Die Fahreigenschaften bei dieser neuen Bahn können durch die heftigen Vibrationen jedoch leider nicht ganz überzeugen.

Text: Lifthill.net - ob, mk, mg | Fotos: Lifthill.net