Es soll Tage geben, an denen ganz Chocolatetown (Hershey, Pennsylvania) nach Kakao riecht. Meist ist das aber nicht der Fall und das Thema Schokolade wird sowieso stark aus der Gestaltung der Attraktionen im Hersheypark herausgehalten. Süß geht es zwar in der dem Park benachbarten Chocolate World zu, im Hersheypark selbst beschränkt man sich jedoch auf Thrillrides mit schokoladenfremden Themen. Die mittlerweile elfte Achterbahn im Park wurde kurzerhand auf den ungewöhnlichen Namen Fahrenheit getauft. Ob die Fahrt nun heiß oder eher cool ist, lässt sich aus dem Namen allein nicht direkt erschließen. Doch der Untertitel hilft weiter: "97° and Falling Fast!" Beim ersten Blick auf die Bahn stellen wir jedoch fest, allein mit einem Temperatursturz kommen wir hier nicht davon.
Fahrenheit wurde am Rande des Themenbereichs Pioneer Frontier angesiedelt. Auf dem direkten Weg vom Parkeingang zur Neuheit 2008 versteckt sich fast die komplette Bahn hinter dem übergroßen Stationsgebäude, nur der Vertikallift ragt zwischen den Bäumen an der Seite hervor. Wenn man jedoch den kleinen Hügel aus Richtung der Holzachterbahn Wildcat hinabschlendert, bietet sich eine uneingeschränkte Sicht auf den gesamten Streckenablauf. Als Hersteller zeigt sich abermals die Liechtensteiner Achterbahnschmiede Intamin verantwortlich, die bereits 2004 den Storm Runner für den Hersheypark gebaut hat. Auffällig ist eine sehr ähnliche Farbgebung der beiden Bahnen, zumal schon das Schienenprofil und die Züge herstellerbedingt gleich aussehen.
Der Anstehbereich führt seitlich an der Station vorbei auf den Vertikallift zu. Von hier haben wir eine recht gute Einsicht auf die komplette Bahn und wir können bei längeren Wartezeiten die kurzen Züge auf ihrem Weg durch das Stahllabyrinth beobachten. Über eine Treppe geht es nach oben in den Einstiegsbereich. Die Station selbst ist recht einfach gehalten mit einem weit spannenden Holzdach und großen Öffnungen zu allen Seiten hin. Die Züge haben einen schlichten Silberlook mit dunkelblauen Sitzschalen und orangefarbenen Schulterbügeln, ein fast edles Design. Jetzt müssen wir uns nur noch für eine Sitzposition entscheiden. Lieber ganz vorne und uneingeschränkte Sicht während der Fahrt haben, oder lieber weiter hinten, auf der Jagd nach möglichst viel Airtime? Wie bei dieser Art von Achterbahnzug bereits gewohnt, haben auch die Züge von Fahrenheit das bewährte "Stadium Seating", d.h. die zweite Reihe eines Wagens ist im Vergleich zur ersten leicht erhöht. Wenn wir uns nun für einen Sitzplatz entschieden haben und die Schulterbügel geschlossen sind, kann es auch schon losgehen. Nach dem obligatorischen "clear" und Daumen hoch aller Mitarbeiter, rollt der Zug aus dem Bahnhof.
Nach einer kurzen Kurve werden wir vor dem senkrecht in die Höhe ragenden Liftturm abgebremst und positioniert. Die beiden Liftketten beginnen asynchron zu laufen, bis jede ihre vorgegebene Position erreicht hat. Nun setzten sich beide synchron in Bewegung und der Zug wandert sehr flott den 37 Meter hohen Turm hinauf. Diese Art von Vertikalaufzug kannte man bisher sonst nur von anderen Herstellern, das Fahrerlebnis ist aber sehr vergleichbar. Wir haben in dieser Position keinerlei Chance, einen letzten Blick auf die Strecke zu werfen und grob abzuschätzen, was uns gleich erwartet. Stattdessen sehen wir nur den blauen Himmel über uns. Oben angekommen schiebt sich der erste Wagen dann langsam über die Kuppe und gibt einen weiteren Blick ins Nichts frei. Denn die Schiene verschwindet nach hinten. 97° maximales Gefälle (Rekord bei einer Bahn dieses Typs) bietet der erste Sturz. Für die vorderen Reihen bedeutet dies den freien Fall, die hinteren Reihen werden geradezu hinabgesaugt, was eine gute Portion Airtime mit sich bringt. Gleich darauf durchfahren wir mit einem Tempo von über 90 km/h die erste Senke, wo die eben so schöne Airtime der 4 1/2 fachen Erdanziehung weichen muss. Doch schon rauschen wir wieder nach oben. Die Wagen kippen leicht nach rechts und Schwerelosigkeit setzt wieder ein. In diesem Moment werden wir um 180° nach links gedreht und tauchen kopfüber in den Norwegian Loop ein. Das Element wurde so benannt, nachdem es im norwegischen Freizeitpark Tusenfryd im "Speed Monster" zum ersten mal verbaut wurde. Auf umgekehrtem Wege wird der Norwegian Loop wieder verlassen, nämlich zuerst eine Art halber Looping nach oben bis wir auf dem Kopf stehen, gefolgt von einer 180° Rechtsdrehung mit leichter Airtime. Es geht wieder abwärts und der Zug holt Schwung für die nun folgende Cobra Roll. Diese durchfahren wir relativ langsam, was die Fahrt aber sehr angenehm macht. Weiter geht es mit etwas mehr Tempo in die nun folgenden Korkenzieher, beide rechtsherum. Der erste führt sogar durch den Norwegian Loop hindurch, wovon wir während der Fahrt allerdings kaum etwas mitbekommen. Eine stark geneigte Rechtskurve sorgt für einen Richtungswechsel bevor wir in immer rasanter werdendem Tempo über einen kleinen Hügel fliegen, der nochmals alle Insassen mit reichlich Airtime beschenkt. Die folgende Linkskurve führt uns dann auch schon in die Schlussbremse dieser kurzen aber sehr spaßigen Fahrt.
| Technische Daten | |
|---|---|
| Hersteller: | Intamin Transportation Ltd. Schaan, Liechtenstein |
| Eröffnung: | 24.05.2008 |
| Höhe: | 37 Meter |
| Länge: | 823 Meter |
| Topspeed: | 93 km/h |
| Inversionen: | 6 |
| Besonderes: | Vertikallift, 97° First Drop, Norwegian Loop |
| Kosten: | 12 Millionen Dollar |
Obwohl Fahrenheit rein äußerlich viele Ähnlichkeiten zu dem vier Jahre älteren Storm Runner aufweist, sind die beiden Nachbarn eigentlich nicht vergleichbar. Fahrenheit ist in erster Linie eine Spaßbahn. Man sollte die Intensität zwar nicht unterschätzen, aber Geschwindigkeit und G-Kräfte bleiben in einem sehr erträglichen Rahmen. Zudem ist die gesamte Fahrt sehr harmonisch gestaltet. Besonders der Norwegian Loop mit seinem ungewöhnlichen Wechsel zwischen negativen und positiven G-Kräften überzeugt. Zudem sieht dieses Fahrelement auch von außen ungewöhnlich aus und bildet zusammen mit dem Vertikallift einen schönen Eye-catcher. Für einen Multilooper bietet Fahrenheit bereits ungewöhnlich viel Airtime, man wünscht sich nach dem letzten Hügel aber immer noch eine Zugabe. Diese bekommt man jedoch nur durch ein weiteres mal anstellen in der Warteschlange bis es wieder heißt: "Time to heat up!"
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