Das amerikanische Walt Disney World hat dieses Jahr einen weiteren Berg zu seiner Silhouette dazubekommen. In rund dreijähriger Bauzeit wuchs im Animal Kingdom ein Berg in die Höhe, der verdächtig an den Mount Everest erinnert. Seit diesem Frühjahr kann dieser von den Besuchern erkundet werden. Schon auf der Zufahrt zum Park fällt der Blick auf die schneebedeckten Gipfel, die sich zwischen den Bäumen und Palmen erheben.
Wenn man die Drehkreuze am Eingang vom Animal Kingdom hinter sich gelassen hat, muss man jedoch erst eine Route nach Asien finden. Schon auf dem Weg dorthin stößt man auf Wegweiser und Werbeschilder von Ausflugs-Agenturen, die sich offensichtlich auf Expeditionen in das Himalaja Gebirge spezialisiert haben. Im asiatischen Bereich angekommen, betritt man Serka Zong, einen Ort am Fuße des Himalajas. Als Teilnehmer der Expedition Everest wird man bereits freundlich von einem Banner am Gebäude des Reisebüros "Himalayan Escapes" begrüßt. Wie schon im restlichen Animal Kingdom wird man auch hier von der Thematisierung dermaßen eingelullt, dass man am Ende der Warteschlange wirklich glaubt, die elektrischen Leitungen wären so haarsträubend provisorisch installiert oder das halb abgerissene Plakat, welches einem vor dem Yeti warnt, würde schon seit Jahrzehnten dort hängen.
Die Warteschlange beginnt im Gebäude mit dem Willkommens-Banner. Es muss das Büro von "Himalayan Escapes Reisen" sein, kommt man doch durch ein mit allerlei Sachen und Reiseplanungs-Utensilien voll gestopftes Zimmer. Der weitere Weg führt einen aus dem Gebäude hinaus zu dem benachbarten Tempel. Sonderbare Altäre und Götzenfiguren sind hier zu huldigen. Viele der Wartenden machen dies, indem sie kleine Centstücke auf die Götzenfiguren und in die Brunnen werfen. So kann jeder selbst entscheiden, was er diesen seltsamen Figuren opfern möchte.
Je nach Wartezeit muss auch noch eine Biegung durch einen Teegarten genommen werden, bevor man den Basar von Serka Zong betritt, der alle möglichen Utensilien für eine erfolgreiche Expedition anbietet. Danach betritt man das Yeti-Museum. Hier erfährt man alles über die Flora und Fauna der Berge. Aber auch die Überbleibsel einer verlorenen Expedition sind ausgestellt. Ein zerfetztes Biwak und eine schlimm zugerichtete Ausrüstung sind die einzigen Zeugen der schrecklichen Geschehnisse, der die Expedition zum Opfer gefallen ist.
Die Warteschlange bewegt sich fast zu schnell, um alle Eindrücke aus diesem Museum überhaupt aufzunehmen. Überrascht stellen wir fest, dass sogar ein Fußabdruck des Yetis dort ausgestellt ist, da macht der Gang auch schon einen Knick und wir befinden uns im Bahnhof von Serka Zong, wo die Züge der Anandapur Rail Services abfahren. Mit einem der Züge soll es also hinauf zu den Höhen des Mount Everest gehen. Schnell noch die mitgebrachten Reiseutensilien in ein Fach im Zug vor einem verstaut, schon schiebt die Lokomotive zischend und dampfend den Zug aus dem Bahnhof hinaus.
Nach einer ersten Kurve geht es einen kleinen Hügel hinauf. Der Zug rollt eine weitere Kurve durch ein leicht bewaldetes Stück Steppe hindurch und landet unvermittelt im zweiten Lifthill. Nun geht es, den Blick auf unser Ziel gerichtet, steil nach oben. Während des Anstiegs durchfahren wir ein weiteres tempelartiges Gebäude. Bunte Gebetstücher flattern im Wind, fremde Klänge ertönen und der Blick fällt auf sonderbare Altäre, auf welchen dem Hüter des verbotenen Berges gehuldigt wird. Viel zu schnell ist man durch diese Huldigungsstätte hindurch, da rollen wir auch schon durch ein verschneites Tal in eine nebelige Höhle hinein. Noch ist die Fahrt recht angenehm. Doch nach einer kurzen Biegung kommt der gesamte Zug plötzlich zum Stillstand. Vor dem Zug flattern erneut Gebetstücher im Wind. Teilweise sind die Schnüre abgerissen und verfangen sich … in der zerfetzten Schiene vor dem Zug! Ein Raubvogel erscheint über der vereisten Kuppe links vom Zug. Wenn man das Glück hat, in der ersten Reihe im Zug unterwegs zu sein, erhascht man hier einige Blicke auf andere herausragende Bauwerke von Disneyworld, so z.B. dem Hollywood Tower Hotel oder der Summit Plummet Steilrutsche von Blizzard Beach.
Aus der Höhle, durch die man eben bis zur zerfetzten Schiene gefahren ist, ertönt ein bedrohliches Grollen. Damit aber nicht genug, so rollt der Zug plötzlich rückwärts wieder in die Höhle hinein. In totaler Finsternis stürzen die Expeditionsteilnehmer schreiend in den Berg hinein. Gut Festhalten ist angesagt, denn man wird ziemlich heftig in den Sitz gedrückt und es geht eine scheinbar nicht enden wollende Kurve entlang rückwärts durch die stockdunkle Höhle. Endlich kommt der Zug mitten im Berg wieder zum stehen. Man blickt nun auf ein Schattenspiel, bei dem das erste mal der Yeti erscheint. Erbost springt dieser auf die Schiene über einem und reißt sie entzwei. Der Yeti entspringt der Szene und der Zug setzt sich wieder in Bewegung - diesmal vorwärts. Es folgt eine schnelle Schussfahrt aus dem Berg heraus und hinunter ins Tal, wo eine steile Kurve auf einen wartet. Doch sogleich geht es wieder in den Berg hinein und nach einer schnellen Fahrt durch einen Höhlenabschnitt wieder hinaus in eine heftige 360° Helix. Darauf folgend taucht der Zug erneut in den Berg ab. Hier kommt es zur zweiten und beeindruckensten Begegnung mit dem Yeti. Nach einigen Metern Fahrt durch dunkle Höhlengänge erkennt man plötzlich ziemlich weit am anderen Ende einer großen Höhle den Yeti. Mit Erschrecken stellt man fest, dass der Zug genau auf den Yeti zu fährt. Dieser erscheint immer größer und größer. Und zu allem Überfluss wird er auch noch recht wütend, holt mit seiner Pranke gewaltig aus und versucht nach dem Zug zu greifen. Im letzten Augenblick rast der Zug unter dem Arm des Yetis hindurch in die Freiheit. Noch ein paar Kurven und vor einem taucht wieder der Bahnhof von Serka Zong auf. Das Abenteuer ist überstanden.
Wieder zurück in Serka Zong fällt der Blick unwillkürlich zurück auf die schneebedeckten Gipfel, von deren Höhe man gerade eben zurückgekehrt ist. Ob man sich gleich noch mal auf Expedition begeben soll? - Das Büro von Himalayan Escapes ist auf jeden Fall noch geöffnet.
| Technische Daten | |
|---|---|
| Hersteller: | Vekoma Vlodrop, Niederlande |
| Eröffnung: | 7. April 2006 |
| Höhe: | 34 Meter |
| Länge: | 1348 Meter |
| Topspeed: | 80 km/h |
| Kosten: | 100.000.000 $ |
| Besonderes: | Zwei Weichen Rückwärtsfahrt Dampfende Lokomotive |
Mit Expedition Everest hat Animal Kingdom endlich auch seine große Attraktion bekommen, die für sich alleine den Parkbesuch schon reizvoll macht. Hier ist extra von Attraktion und nicht nur von Achterbahn die Rede, denn als Achterbahn alleine gesehen hat die Bahn ein recht einfallsloses Layout. Meist nur Kurven und Helices in eine Richtung. Das ganze Drumherum macht die Bahn erst zu einer Topattraktion. Angefangen bei der schier erschlagenden Thematisierung der Umgebung, über die ganzen Gimmicks und Geschichten, die sich in der Warteschlange verbergen, bis hin zu dem wirklich beeindruckenden Yeti - dem bisher größten Audio-Animatronic von Disney.
Zum Yeti gibt es eine kleine Hintergrundgeschichte: Auch Disney ist vor technischen Ausfällen nicht gefeit. So kann es mal vorkommen, dass der Yeti seinen Dienst verweigert. Dass deswegen nicht gleich der ganze Schlusseffekt wegfällt, hat Disney einen Plan B entworfen. Damit also auch bei defektem Animatronic die Fahrgäste dem Yeti begegnen können, wird in diesem Fall die Höhle im Dunkeln gelassen. Erst, wenn der Zug kurz vor dem Yeti unter seinem Arm hindurch rast, wird durch ein Stroboskopblitzlicht und entsprechendem Grollen das Animatronic zum Leben erweckt. In den kurzen Sekunden fällt es dem normalen Fahrgast gar nicht auf, dass sich der Yeti nicht bewegt hat.
Expedition Everest ist ohne Zweifel perfekt im Park integriert. Oft erhascht man einen Blick durch die Bäume und Pflanzen auf den neuen Berg des Parks, auch wenn man sich in einem ganz anderen Teil vom Park befindet. Schnell wird einem klar, dass die rund 100 Mio. $ zum größten Teil in die Thematisierung geflossen sind. Eine Thematisierung, mit der Disney wieder unangefochten den Spitzenplatz belegt und die von vielen anderen Parks oft versucht, aber letztendlich doch nicht in dieser Perfektion erreicht wird.
Also dann ab die Stiefel geschnürt, den Rucksack gepackt und auf zur Expedition in den Himalaja. Der Yeti wartet bereits.
| Weiterführende Links |
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