"All engines running!" Vom Donner der Triebwerke begleitet stürzt ein weiterer Zug in die unendlichen Weiten des Weltalls, alle 37 Sekunden aufs Neue. Eurosat, die Dunkelachterbahn im Europa-Park, prägt seit den späten Achtzigern mit ihrer markanten Silberkugel die Skyline des Europa-Parks und erfreut sich seit Eröffnung großer und anhaltender Beliebtheit. In diesem Jahr feiert die Achterbahn ihren mittlerweile 20. Geburtstag.
Vor mehr als 30 Jahren, im Jahr 1975, eröffnete im Magic Kingdom in Walt Disney World, Florida, eine ganz besondere Achterbahn: Space Mountain bot den Fahrgästen eine Achterbahnfahrt im Dunkeln mit vielen Effekten, welche die Illusion eines Flugs durch den Weltraum erzeugen sollten. Das Erlebnis mit der Kombination aus Achterbahnfahrt im Dunkeln und Weltraumthema war zu diesem Zeitpunkt etwas sensationell Neues und wurde schon bald von Freizeitparks auf der ganzen Welt als Vorlage für eigene Kreationen verwendet. Die Faszination Raumfahrt war auch in den achtziger Jahren in Amerika und Europa ungebrochen und so kam es, dass der Unternehmer Franz Mack den Besuchern des Europa-Park ebenfalls das Erlebnis eines turbulenten Weltraumflugs bieten wollte. Die neue Achterbahn sollte wie bei fast allen anderen Attraktionen des Parks von Mack-Rides produziert werden und wie bei Space Mountain sich in einem besonderen Gebäude mit Symbolcharakter befinden. Die Inspiration hierfür stammte ebenfalls aus Walt Disney World: Das Wahrzeichen des Themenparks Epcot ist eine große geodätische Kugel, die in verkleinerter Form als Kuppel perfekt zum äußeren Erscheinungsbild der neuen futuristischen Attraktion des Europa-Park passen sollte.
Die kleine Grundfläche der neuen Attraktion brachte jedoch ein grundsätzliches Platzproblem mit sich: Wie sollte der Zug nach oben transportiert werden? Vertikallifte waren damals technisch zu aufwändig, ein Kettenlift wäre viel zu lang gewesen. Die Lösung hatte sich Mack-Rides schon Anfang des 20. Jahrhunderts selbst geliefert, als die Firma in eine Holzachterbahn einen Trommellift einbaute. Bei diesem Liftsystem windet sich die Strecke um eine sich drehende Trommel spiralförmig nach oben. An der Trommel sind in regelmäßigen Abständen Stahlträger angebracht, am Zug befindet sich auf der zur Trommel zeigenden Seite ein hervorstehendes Laufrad. Der Zug fährt in den Lift ein und der Stahlträger an der Trommel schiebt das hervorstehende Rad und damit den Zug die Spirale nach oben.
Nach 10-monatiger Bauzeit war es am 14. Juli 1989 endlich soweit. Zeitgleich zur Eröffnung des französischen Themenbereichs, dem "Quartier Francais", machte sich der erste silberfarbige Zug der neuen Achterbahn Eurosat auf die Reise. Die längste, höchste und spektakulärste Achterbahn, die der Europa-Park bis dato im Angebot hatte, war geboren. Doch vor der Fahrt heißt es zunächst, sich in die Warteschlange einzureihen. Zügig geht es im Zick-Zack des überdachten Wartebereichs voran, immer näher an die großen blauen Buchstaben "EUROSAT", die an die Wand montiert sind. Bald stehen wir vor der Rolltreppe, die uns hinauf in die Raumstation bringt. Auf dem Weg nach oben winkt uns ein Astronaut neben seinem Mondfahrzeug zu. In der Raumstation angelangt, folgen wir einem Gang, der sich in einem Dreiviertelkreis konstant weiter nach oben schraubt. Hier gibt es als Einstimmung auf die bevorstehende Reise einen Radar, Bilder von Spaceshuttles und einige Kontrollterminals zu sehen. Sehr schnell stehen wir in der Station, die im selben blauen Licht wie der Gang erstrahlt. Des Öfteren wird die Station von einem Zug erschüttert, der oberhalb der Decke seine Runden dreht und seine Mitfahrer zum Schreien bringt. Wir müssen uns für eine der acht Wagen des Zugs entscheiden und nehmen kurze Zeit später Platz - die Reise kann beginnen!
Der Zug fährt langsam zur Warteposition, wo uns auf Englisch per Lautsprecherdurchsage mitgeteilt wird, das Rauchen einzustellen und die Hände für den Fall von einem plötzlichen Meteoritenschauer im Wagen zu lassen. Dann geht es auch schon los. Langsam schraubt sich der Zug im beinahe stockdunklen Trommellift nach oben, immer begleitet von Blitzlichtern und dem Techno-Soundtrack der Bahn - die Spannung steigt. Die Musik variiert, je höher unser Zug steigt, über einen Instrumental-Part zum eigentlichen Soundtrack der in der Kugel läuft. Schließlich ertönt der Countdown, wir sehen den Sternenhimmel und nach einem "Zero" und dem Donnern der Triebwerke geht es abwärts in die Tiefe. Was folgt, ist eine sehr turbulente Fahrt mit vielen weiten Kurven am Kugelrand entlang, bestückt mit unerwarteten, kleinen Stürzen, engen Kurven und heftigen Richtungswechseln. Der Orientierungssinn geht schon nach wenigen Sekunden verloren, während unser Zug mal links, mal rechtsherum durch den Kosmos rauscht, vorbei an Kometen, Sternen und grünen Laserstrahlen. Die Fahrt bietet keine Verschnaufpause und wird immer heftiger. Bald werden wir regelrecht nach links geworfen, anschließend jagt der Zug durch eine enge Helix. Nach weiteren Sekunden Flug durch den Weltraum stürzen wir auf einmal durch einen kurzen Tunnel voll mit verschiedenen Lichtern hinab in die letzte, finale Kurve. Noch wenige Sekunden, der Zug kommt den Kometen immer näher, rauscht vorbei an einem Astronauten und bevor wir richtig begreifen was passiert, werden wir plötzlich extrem stark abgebremst. Blitzlichtdonner ist um uns herum zu sehen, wir hören nach einem lauten Krachen, wie der Schleudersitz ausgelöst wird - eine höchst unsanfte Landung in die Schlussbremse der Bahn, aber völlig passend zum wilden Charakter der Fahrt. Nur noch wenige Meter und schon kehren wir von unserem Weltraumabenteuer in die Station zurück, wo wieder 16 neue Passagiere für ihren turbulenten Flug bereitstehen.
Etwa 70 Sekunden hat der wilde Ritt gedauert, dank langem Trommellift beträgt die gesamte Fahrtzeit jedoch 207 Sekunden - knapp 3 ½ Minuten. Für kurze Wartezeiten sorgt eine gute Kapazität, die durch viele Züge erreicht wird. Von insgesamt 7 verfügbaren Zügen kommen gleichzeitig maximal 6 zum Einsatz, die mit 8 Wagen für je 2 Personen Platz für insgesamt 16 Personen bieten. Durch die kurzen Einzelwagen besitzen die Züge die notwendige Flexibilität für die eng verschlungene Strecke. Um so viele Züge gleichzeitig auf der Strecke einsetzen zu können, wird der eigentliche Achterbahnteil zwischen erstem Sturz und Schlussbremse von zwei Blockbremsen unterbrochen. Während die erste im regulären Betrieb den Zug nicht abbremst, befindet sich bei der zweiten Bremse eine Reduzierbremse. Diese wird jedoch nicht automatisch ab einer bestimmten Geschwindigkeit des Zuges aktiv, sondern kann von den Technikern manuell ein- oder ausgeschaltet werden. Bei aktiver Bremse ist der Geschwindigkeitsunterschied im letzten Drittel leider deutlich zu spüren und das Fahrerlebnis kann nicht mehr mit den ersten zwei Dritteln mithalten.
Mit allen 6 Zügen auf der Strecke erreicht die Bahn, wenn bei jedem Zug alle 16 Plätze besetzt sind, eine Kapazität von etwas über 1500 Personen in der Stunde. Hier spielt es übrigens keine Rolle, ob der Zug in der Station einige Sekunden weniger oder mehr Zeit verbringt als normal. In der Warteposition vor dem Trommellift wird der Abstand zwischen zwei Zügen angeglichen, bei 6 Zügen etwa 37 Sekunden. Die Abfertigungszeit in der Station ist ein weiteres typisches Merkmal der Eurosat. Manchmal steht der Zug nur etwas mehr als 10 Sekunden in der Station und wird damit in einer unüblich schnellen Zeit abgefertigt. Möglich ist dies, weil die Mitarbeiter die Bügel nicht aktiv kontrollieren müssen, sondern eine Sichtkontrolle mit Blick auf die geschlossenen Bügel genügt. Schließlich gibt es, trotz der wilden Fahrt, keine abhebenden Kräfte auf der Bahn und der Bügel dient hauptsächlich dazu, dass Fahrgäste nicht eigenständig aufstehen können.
Die Fahrt ist seit der Eröffnung vom Streckverlauf her unverändert, nur einzelne Schienenstücke wurden bisher erneuert. Waren anfangs die Effekte eher spärlich gesät, wurden über die Jahre immer mehr eingebaut und machen Eurosat zu dem heutigen Erlebnis. Dazu zählen unter anderem zahlreichen Kometen, der Sternenhimmel, zusätzliche Blitzlichter und grüne Laser. Im Jahr 2000 wurde zudem der seit Eröffnung bestehende Synthesizer-Soundtrack gegen einen schnelleren Techno-Soundtrack ausgetauscht.
Zu bestimmten Ereignissen bietet die Eurosat für einige Wochen ein anderes Erlebnis. Als erstes sichtbar ist immer die Verwandlung der Silberkugel, welche mal als gigantischer Fußball, Geschenkkugel oder Riesenkürbis zu bestaunen war. Aber auch im Inneren finden Veränderungen statt: Zur Fußball-WM 2006 wurde jeder Zug mit Fangesängen in die Weiten des Weltalls geschickt, zu Halloween und Winter sorgen neue Effekte und ein an die Saison angepasster Soundtrack für Gänsehaut oder Weihnachtsstimmung.
| Technische Daten | |
|---|---|
| Hersteller: | Mack Rides GmbH & Co. KG Waldkirch, Deutschland |
| Eröffnung: | 14. Juli 1989 |
| Höhe: | 25,5 Meter |
| Länge: | 1050 Meter |
| Topspeed: | 60 km/h |
| Fahrzeit: | 207 Sekunden |
| Züge: | 7 Züge, 8 Wagen pro Zug, 16 Personen pro Zug |
| Höhe der Kugel: | 45 Meter, freitragende Kugel |
| Oberfläche der Kugel: | 4.500 qm |
| Konstruktion der Kugel: | 1.500 Pyramiden-Platten, 28 verschiedene Plattenformen, 2.275 Verbindungsstäbe |
Eurosat hat sich zu einem beliebten Klassiker im Europa-Park entwickelt. Die Bahn kann zwar bei ihrem Alter von 20 Jahren nicht mehr mit der Höhe, Geschwindigkeit oder Laufruhe von benachbarten Bahnen mithalten, bietet aber sehr wohl immer noch einen gleich hohen Fahrspaß und schickt weiterhin mehrere Millionen Besucher im Jahr auf eine turbulente Reise durch das Weltall, die keiner so schnell vergisst.
Happy Birthday, Eurosat - auf die nächsten 20 Jahre!
| Weiterführende Links |
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