El Toro

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04/2009
Westernstadt

Blick auf die Westernstadt

Holzstruktur

Die Holzstruktur von El Toro

ENDLICH! - Ein GCI Woody in Deutschland!

So oder so ähnlich jubelten wir, als im Sommer 2008 die Nachricht auf der Homepage der amerikanischen Holzachterbahn-Spezialisten veröffentlicht wurde. Viele Coasterfans haben sich schon seit langem gefragt, wann denn endlich die erste Holzachterbahn von Great Coasters International Inc. den Weg nach Deutschland finden würde. Die 1994 gegründete Firma lieferte in den vergangenen Jahren zahlreiche Topattraktionen ab. Nachdem die erste Auslieferung der Amerikaner für Europa in den hohen Norden fast an den Polarkreis ging, die zweite Holzperle aus Sunbury, Pennsylvania in den benachbarten Niederlanden errichtet wurde, rechneten viele Fans und Freizeitpark-Interessierte bald mit einer GCI-Lieferung für Deutschland. Zunächst wurde als Standort der Stromberg vermutet. Doch die Schwaben entschieden sich bekanntlich im letzten Jahr zwar für eine Holzachterbahn, aber aus heimischer Produktion. Nach den vergangenen umfangreichen Investitionen der großen deutschen Freizeitparks in Hotels, Stahlachterbahnen und andere Attraktionen, wurde es nicht nur subjektiv endlich Zeit für eine neue Holzachterbahn in Deutschland. Dies wäre nach Bandit im Movie Park (1999), Collossos im Heidepark (2001) und dem eben angesprochenen Mammut (2008) ja auch erst die vierte Bahn dieser Art im Herzen Europas. Etwas überraschend war dann doch die Nachricht, dass der kleine Familienpark Forellenhof Plohn in Sachsen sich an die verhältnismäßig hohe Investition einer solchen Attraktion heranwagte.

El Toro
Station

Die Station - Der Stall des Stieres

Station

Der Ritt beginnt

Ausfahrt

Ausfahrt aus der Station

Lifthill

Auf dem Lifthill

El Toro ist für GCI die erste Auslieferung für den deutschen Markt und nach Troy (Toverland, Niederlande) und Thunderbird (Power Park, Finnland) erst die dritte Konstruktion für Europa. Bekannt wurde Great Coasters Inc. für ihre Bahnen mit in sich verschlungenen Layouts, wilden Kurven und unzähligen Umschwüngen. Diese Elemente sind auch bei El Toro vorhanden, zusätzlich mussten sich die Ingenieure der Herausforderung stellen, die Bahn in das vorhandene Gelände mit Westernstadt und Wildwasserbahn gekonnt einzufügen. So stampft der wilde Stier ungestüm über die Hügel und Täler und vollführt mit der Wildwasserbahn einen leidenschaftlich verschlungenen Tanz durch die Westernstadt. Auffällig beim Blick auf das Layout ist dabei, dass die Bahn nach dem First Drop sehr bodennah bleibt. Dadurch ist die Geschwindigkeit des Zuges während der gesamten Fahrt entsprechend hoch.

Die neue Heimat des wilden Stiers, der Freizeitpark Forellenhof Plohn, liegt im Vogtland, nicht weit von Zwickau entfernt zwischen Plauen und Chemnitz. Die spektakulärste Attraktion des Parks war bisher der Drachen-Looping, eine Bahn, die nur aus einem stehenden Looping besteht und den die Besucher bereits vom Parkplatz aus seine Runden drehen sehen können. Das Attraktionsangebot des Parks ist ansonsten deutlich auf Familien mit Kindern ausgerichtet. Nach dem im japanischen Stil gebauten Eingangsportal befindet sich die kleine Kasse direkt beim Gebäude des Namengebenden Forellenhofs. An kleineren Fahrgeschäften und Tiergehegen vorbei schlängeln sich mehrere Wege über einen Hügel und in ein kleines Waldstück hinein. Unser Ziel liegt links an der Minenbahn und der Parkeisenbahn vorbei hinter der Westernstadt "Plohn - City". Neben dem Eingang der Wildwasserbahn erblicken wir die ersten Schienenmeter von El Toro, wie sie sich über und unter der Wasserbahn mit der Hexenmühle und um einen kleinen See entlang ziehen. Dahinter erhebt sich der Lifthill mit dem von GCI gewohnt kurvigem First Drop. Vorbei an der neuen Pizzeria El Toro umwehen unsere Nasen leckere Düfte aus dem Pizza-Ofen. Übrigens ein guter Essens-Tipp, wenn man nach dem Ritt auf dem Stier Hunger bekommen hat. Hinter einem Felsen samt Mine biegen wir um die Ecke und stehen erst mal vor dem Ausgang von El Toro. Es geht linker Hand entlang dem beeindruckenden Holzgerüst und vorbei an Hütten, Werkstätten und Tiergehegen. Hinter der Bahn ist der Treppenaufgang zur Station. Hier im hinteren etwas versteckt gelegenen Bereich der Westernstadt würde sich eine weitere Attraktion sicherlich gut machen, die mehr Besucher anlockt und zum Verweilen und Betrachten der Bahn einlädt. Momentan finden hauptsächlich die Wagemutigen den Weg hier her, die einen Ritt auf dem Bullen unternehmen möchten.

Aber jetzt nichts wie schnell die Treppe hoch in den Stall des Stieres. Wie bereits bei Troy und anderen GCI-Bahnen gewohnt, ist auch bei El Toro die gesamte Station aus Holz. Einzig der zuletzt oft gebaute Station Flythrough, bei dem die Schiene auf einem Teil der Strecke über die Köpfe der Wartenden im Bahnhof quasi durchs Dach führt, fehlt hier. Dieses Gimmick wird aber nicht allzu sehr vermisst. Ist es doch mit einer Menge akustischer Belastung vor allem für die Mitarbeiter im Bahnhof verbunden, wenn alle paar Minuten der Zug durch den Dachstuhl braust.

El Toro
El Toro
El Toro
El Toro
El Toro
El Toro
El Toro
El Toro
Airtime

Der Stier bockt und tobt

Zug

Der Ritt über die Holzstruktur

Den Cowboyhut besser abgesetzt und rauf auf das bequeme Sofa des Millennium Flyer Zuges von El Toro. Das Bull Riding kann beginnen. In zahmen Gang verlässt der Stier das Stationsgebäude und trabt gemächlich auf den Lifthügel zu. Mit dem charakteristischen Klackern der Kette geht es immer höher den Berg hinauf bis weit über die Dächer der Westernstadt. Am höchsten Punkt des Hügels angekommen, ist El Toro viel zu hitzig, um hier zu verschnaufen. Immer schneller werdend trabt der Stier abwärts in eine Rechtskurve unter der Wildwasserbahn hindurch. Unkontrolliert wirft sich das wilde Biest nach links, besteigt eine kleine Anhöhe, wo wir das erste Mal fast abgeworfen werden. Gleich darauf jagen wir dann in einer großen Rechtskurve um einen kleinen See herum. Abermals tauchen wir unter der Wildwasserbahn hindurch. Ein Richtungswechsel nach links und schon geht es wieder einen Hügel hinauf. Auf einer längeren Geraden unter der Holzstruktur, die den Lifthügel stützt, hindurch, versucht uns El Toro wieder abzuwerfen. Er hetzt dabei in kurzen, heftigen Bocksprüngen über drei kleine Hügel und mit einem kleinen Schlenker nach links an der Station vorbei über einen vierten Hügel mit reichlich Airtime in eine kleine Senke hinein. Der Stier ändert wieder wild die Richtung, schlägt zuerst ein bisschen nach rechts bevor er sich in eine enge Linkskurve wirft. Noch einmal geht es abwärts und durch eine Rechtskurve um einen kleinen See. El Toro setzt zum Sprung an und überfliegt in einem weiten Bogen den Ausgangsbereich der Bahn, wobei es uns abermals von den Sitzen hebt. Durch eine letzte schnell durchfahrene Rechtskurve mit ungewohnten aber nicht unangenehmen lateralen Kräften, die uns nach Außen ziehen, geht es leicht aufwärts in die Schlussbremse. Endlich kommt das wilde Tier zum Stehen. Zahm rollt El Toro in seinen Stall zurück.

Onride
Onride
Onride
Onride
Technische Daten
Hersteller:Great Coasters International Inc.
Sunbury, USA
Eröffnung:10.04.2009
Höhe:28 Meter
Länge:725 Meter
Topspeed:75 km/h
Züge:1 Millennium Flyer Zug für 24 Personen
Kosten:5,1 Millionen Euro
Lifthill

"Thumbs up" für Deutschlands ersten GCI

El Toro

Wer nun bei El Toro an eine Bahn nur für Achterbahnenthusiasten denkt, irrt. Die Bahn kann bereits von Kindern ab 5 Jahren und 1,20 Meter Größe gefahren werden. Das sieht dann vielleicht etwas ungewohnt aus, so kleine Knirpse auf einer so wilden Bahn zu sehen, aber wenn man das Strahlen in den Gesichtern der Minicowboys im Bahnhof sieht, erahnt man, was für einen Spaß ein Ritt auf El Toro macht. Für Kenner von Holzachterbahnen überrascht die Bahn mit einem bodennahen Layout, gewohnt kurvig und mit vielen kurzen Sprüngen, die einem wilden, bockenden Stier gut nachempfunden sind. Fast in jeder Kurve oder auf jedem kleinen Hügel reißen schnelle Airtime -Momente einen aus dem Sattel. Im späteren Verlauf des Tages, nachdem sich die Bahn gut eingefahren hat, sind diese Momente noch ausgeprägter. Je später der Tag, desto wilder der Stier sozusagen.

Deutschland hat seine erste Achterbahn von Great Coasters International Inc. bekommen. Eine echte Holzachterbahn, ein echter "Woodie" und ein reinrassiger GCI. Ohne die Produkte der Konkurrenz schmälern zu wollen, kann man mit Fug und Recht behaupten, dass Great Coasters International Inc. es jedes Mal schafft, ihren Kreationen aus Holz einen unverwechselbaren und eigenständigen Charakter zu verleihen. Aus der auf den ersten Blick kleinen Bahn in Plohn holen diese Künstler heraus, was heutzutage mit modernen Konstruktionsmitteln machbar ist. Wer hätte erwartet, dass bei einer Bahn dieser Höhe soviel Airtime möglich ist und wie viel Abwechslung man in so wenige Schienenmeter packen kann. Eine gelungene Neuheit für den sächsischen Freizeitpark im Vogtland, der damit nicht nur die Herzen der Achterbahnfans für sich gewonnen hat, sondern auch beweist, dass eine Bahn ohne spektakuläre Superlative das Publikum zu begeistern weiß.




Text: Lifthill.net - mg, ob | Fotos: Lifthill.net