Stille liegt über der Savanne, vereinzelt hört man entfernte Geräusche der heimischen Fauna. Die Luft flimmert vor Hitze und macht jede Bewegung zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. Plötzlich ertönt ein scharfes Fauchen zwischen den wogenden Gräsern und mit einem gewaltigen Satz katapultiert sich ein gefleckter Blitz in die Krone eines einzeln stehenden Baumes. Langsam schleicht der Jäger durch die Äste auf der Suche nach Beute. Da. Er hat sein Opfer entdeckt, springt vom Baum auf den staubtrockenen Boden und jagt mit hoher Geschwindigkeit auf sein Ziel zu. Über Stock und Stein in halsbrecherischem Tempo und Haken schlagend hetzt er über die weiten Grasflächen, über Hügel und an einem kleinen Wasserfall vorbei und durch eingegrabene Flussläufe.
Was wie eine Szene aus „Grzimeks Tierleben“ oder „Die Wüste lebt“ klingt, ist die Geschichte der neuen Attraktion Cheetah Hunt im Freizeitpark Busch Gardens Tampa Bay.
„Cheetah Hunt – a new breed of speed“ lautet der eingängige Slogan mit der sie beworben wird.
Für die mittlerweile achte Achterbahn im Park haben sich die Betreiber für einen LSM Launch Coaster der Firma Intamin entschieden. Als Besonderheit hat die Bahn in ihrem Verlauf gleich drei Abschussstrecken. Dadurch kommt es zu intensiven Geschwindigkeitswechseln, wenn der Gepard (Cheetah) immer wieder neu zum Sprint ansetzt. Auf den ersten Blick ist die meist bodennahe Strecke relativ unspektakulär gehalten. Im gesamten gesehen besticht die Anlage aber durch die perfekte Einbettung in die Themenwelt der Serengeti Plain.
Der Eingang zum Wartebereich befindet sich im vorderen Teil des Parks zwischen den Themenbereichen Morocco und Egypt gleich gegenüber vom Restaurant Crown Colony House. Zwei stilisierte hölzerne Gepardenstatuen flankieren den Eingang zum zweistöckigen Stationsgebäude. Der Einstiegsbereich befindet sich im ersten Stock. Im Erdgeschoss schlängelt sich der Wartebereich durch schattige Gänge. Leider hat man von hier aus keinen Einblick auf die Bahn und muss die manchmal lange Wartezeit geduldig ertragen. Um die Wartenden in der Serengeti nicht verdursten zu lassen, gehen immer wieder Mitarbeiter durch die Gänge und verkaufen gekühlte Getränke. Grosse an den Decken angebrachte Ventilatoren sorgen zusätzlich für ein wenig Kühlung.
Im ersten Stock angekommen teilt sich die Warteschlange auf zwei Bereiche auf. Die Bahn verfügt über eine Doppelladestation, um die insgesamt fünf kurzen Züge mit vier Wägen zu je vier Personen möglichst rasch abzufertigen und die Kapazität hoch zu halten. Auch leere Einzelplätze versucht man mit Einzelfahrern aus der Warteschlange zu füllen. Eine Single Rider Line oder ein Quickpass-Zugang ist augenscheinlich vorbereitet, momentan aber noch zugunsten der normalen Warteschlange abgesperrt – bei den langen Wartezeiten für die normal Wartenden sicherlich ein kleiner Vorteil.
Die Züge sind komplett als Gepard dekoriert – orange und sandfarben/bräunlich gefleckte Fell-Lackierung und eine Schnauze mit stilisierten angelegten Ohren und Augenhöhlen. Ansonsten gilt auch hier: Form Follows Function – die schwarzen Schalensitze mit den schlanken Schulterbügeln fallen nicht großartig auf, sind aber durchaus bequem.
Wir nehmen endlich Platz, die vier Mitarbeiter je Zug geben nach der obligatorischen Gurt- und Bügelkontrolle ein „Go“ und die Edelstahlgatter schließen sich mit einem leisen Zischen. Die beiden Züge setzen sich hintereinander langsam in Fahrt. Der hintere Zug hält im vorderen Einstiegsbereich kurz an während sich der vordere Zug langsam auf die erste Beschleunigungsstrecke schiebt. Unter dem Aufkreischen der Mitfahrer schießt Cheetah Hunt in die erste geneigte Linkskurve aus unserem Sichtfeld hinaus.
Kurze Zeit später setzt sich auch unser Zug in Bewegung und wir erwarten gespannt den Abschuss. Dieser erfolgt auch unmittelbar und wir erhalten einen kräftigen Schub nach vorne. Rasant geht es nach oben links hinauf um dann anschließend gleich in einen kleinen Graben unter der Brücke vor dem Restaurant hinabzutauchen. Die Strecke mündet in einer Geraden, an deren Ende wir den Aufstieg in den schon eingangs erwähnten „Baum“ sehen. Plötzlich geht es richtig zur Sache. Der zweite Abschuss erfolgt auf der Geraden, wobei der Zug enorm an Geschwindigkeit aufnimmt. Wie von einer Bogensehne abgeschossen erklimmen wir den Hügel hinauf in die Krone der Stützenkonstruktion. Oben beschreiben wir in relativ gemächlicher Fahrt eine Achterfigur und können sogar etwas die Aussicht genießen. Doch gleich darauf rasen wir wieder gen Boden, durch einen kleinen Graben und mit etwas Airtime über einen Hügel in einen Umschwung nach links. Mit unverminderter Geschwindigkeit jagen wir über die weite Grasfläche, über Brücken und durch Gräben. Einmal stehen wir sogar Kopf. Dann kommt im hinteren Teil der Bahn die Blockbremse. Nach einer kurzen Verschnaufpause folgen weitere Kurven auf der Strecke. Bodennah umrunden wir einen Felsen mit zwei Wasserfällen, fahren in Schlangenlinien durch einen Canyon, welcher von einem Fluss unter uns durchspült wird. Diesen optischen Trick nutzten die Designer, um die Geschwindigkeit der Bahn höher erscheinen zu lassen, als sie tatsächlich ist – Trick gelungen!
Am Ende des Canyons schließt sich wieder eine gerade Strecke an, auf welcher der dritte und gleichzeitig letzte Abschuss stattfindet. Es geht direkt über einen Hügel und abschliessend zurück in Richtung Station. Nach zwei weiteren flachen Kurven und Hügeln, auf denen die Richtungsumschwünge intensiv spürbar stattfinden, erreichen wir die Schlussbremse vor dem Bahnhof. Die beiden vor uns wartenden Züge fahren nach wenigen Augenblicken ab und wir rollen langsam zur Halteposition. Unser Ritt auf dem Rücken des Geparden ist zu Ende.
| Technische Daten: | |
|---|---|
| Hersteller: | Intamin Transportation Ltd. Schaan, Liechtenstein |
| Eröffnung: | 27.05.2011 |
| Höhe: | 31 Meter |
| Länge: | 1350 Meter |
| Topspeed: | 97 km/h |
| Beschleunigung: | Launch 1: 48 km/h Launch 2: 97 km/h Launch 3: 64 km/h |
| Fahrzeit: | 3:30 Minuten |
| Max. G-Kräfte: | 4 G |
| Kapazität: | 1370 |
| Besonderes: | 3 Launch Strecken |
Cheetah Hunt ist eine Bahn, zu welcher man verschiedene Meinungen haben kann. Sie passt durch ihr Gesamtkonzept hervorragend zum wunderschönen Themenpark Busch Gardens Tampa. Die Bahn ist aber definitiv kein Anziehungspunkt für Thrillseeker, sondern eine toll angelegte Attraktion für eine große Bandbreite an Besuchern. Sie bietet für Achterbahnfans genügend Nervenkitzel durch die drei Abschüsse den Überschlag und einer Portion Airtime. Insgesamt ist sie aber recht handzahm – wie ein mit der Flasche aufgezogener, zahmer Gepard, kuschlig weich und anschmiegsam.
In der Skala der Beliebtheit bei den Besuchern steht sie jedenfalls ganz oben und lädt zu Wiederholungsfahrten ein.
| Weiterführende Links: |
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