Anubis: The Ride

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06/2009
Übersicht

Anubis: The Ride

Es ist nicht ungewöhnlich, wenn erfolgreiche Filme Attraktionsableger in Freizeitparks bekommen. Dass einer Fernsehserie aber eine ganze Achterbahn gewidmet wird, kommt eher selten vor. Umso ungewöhnlicher ist die neue Attraktion im Plopsaland (De Panne, Belgien). In dem dicht bewaldeten Parkteil kurz hinter dem Eingang ragt eine türkisblaue Konstruktion zwischen den Bäumen hervor. Gold glänzende Wagen flitzen im Sekundentakt über die Türme und reflektieren das Sonnenlicht, wenn sie über die Kuppen schießen. Wir folgen dem Weg Richtung See, um näher heran zu kommen. Die stählerne Strecke der Bahn schlängelt sich zwischen den Bäumen hindurch und vollführt wilde Überschläge durch die Baumkronen. Unser Weg führt uns auf einen gepflasterten Platz vor ein altes Haus, dem Haus Anubis.

Seit das belgische Plopsaland vor über 9 Jahren am 1. April 2000 seine Pforten öffnete, hat der Park eine beeindruckende Erfolgsgeschichte vorzuweisen. Sicherlich einer der Hauptgründe für den Erfolg ist die in Belgien sehr populäre TV Gruppe Studio 100, die hinter dem Familienpark steht. Besonders in den Benelux Staaten kennt fast jedes Kind die zahlreichen Charaktere, die im Plopsaland ein lebendiges Zuhause gefunden haben. So lässt sich auch der ungewöhnliche Name des Parks erklären, welcher zuvor 64 Jahre lang als Meli Park betrieben wurde. Zwei der beliebtesten Figuren, der Klabauter Plop und Samson, ein sprechender Hund, standen Pate für den neuen Parknamen. Ein weiterer Grund für den großen Erfolg seit der Übernahme durch Studio 100 ist sicher die liebevolle Thematisierung und das äußerst gepflegte Erscheinungsbild des Parks.

Anubis
Statue
Das Haus Anubis Im inneren des Haus

Vorlage für die Achterbahn ist die in Belgien und den Niederlande extrem erfolgreiche Fernsehserie "Das Haus Anubis". Im gleichnamigen Internat leben acht Jugendliche, die dem Geheimnis des alten Hauses auf die Spur kommen wollen. Dabei verwickeln sie sich immer wieder in mysteriöse Geschichten und Abenteuer. Aber auch die alltäglichen Probleme eines Teenagers sorgen für Zündstoff in der Serie. Das als Daily Soap ausgelegte Konzept wird ab September auch in Deutschland zu sehen sein, allerdings in einer für den Deutschen Markt produzierten Adaption.

Wenn man im Plopsaland über den gepflasterten Vorplatz vom neu errichteten Bereich flaniert, wirkt das geklinkerte Haus mit dem schmalen Türmchen eher klein. Das dem Serienoriginal nachempfundene Gebäude beherbergt hier den Anstehbereich und die Station der Achterbahn. Im Erdgeschoss befinden sich Wohnräume in dunklen warmen Farbtönen. Weiter hinten im Haus treffen wir auf eine steinerne Statue, die unheimlich von ihrem Sockel auf uns herabblickt. Vorbei an Regalen mit verstaubten Büchern und allerlei Trödel, führt uns der Weg weiter durch den Keller. Eine Holztreppe im hinteren Teil des Hauses windet sich nach oben zur Station. Der Kronleuchter hängt hier weit von der Decke herab und wirft von den Jagdtrophäen, welche die Wand säumen, unheimliche Schatten. Oben angekommen, erreichen wir schließlich die Station. Zur rechten Seite klafft ein riesiges Loch in der Steinmauer, durch das die Wagen das Haus verlassen und um eine Kurve verschwinden. Es gibt keine extra Warteschlange für die erste Reihe, so müssen sich die Wartenden gleichmäßig auf die drei Gatter am Einstieg aufteilen.

Anubis
Anubis
Chaise

Wagen von Anubis

Sechs Fahrgäste finden in drei Zweierreihen Platz, um die Fahrt anzutreten. Für eine gute Sicht von allen Plätzen aus sind die Reihen nach hinten leicht erhöht und V-förmig aufgefächert. Man hat auch bei geschlossenem Schulterbügel genügend Platz in den komfortablen Sitzen. Nichts wirkt zu gedrängt. Viel Mühe hat man sich bei der Gestaltung der Chaisen gemacht. Die Sitze ruhen auf einem liegenden Anubis, der sie sicher in seinen Händen hält. Ein Auge sowie einige Hieroglyphen zieren den Frontbereich des Wagens. Die schwarzen Sitze heben sich von dem sonst fast ganz in Gold gehaltenen Exterieur ab. In dem sehr engen Stationsbereich wirkt der Wagen klobiger, als er tatsächlich ist. Beim Einsteigen nimmt ein Mitarbeiter Rucksäcke und Brillen ab und legt sie in kleine Schränke am Ausstieg. Noch ein kurzer Bügelcheck und es kann losgehen.

Anubis
Anubis
Anubis
Anubis
Abschuss

Anubis

Cow Hitch

Durch das große Loch in der Wand verlassen wir das Internat. Der Wagen gleitet in einer nach rechts abfallenden 180° Kurve nach unten auf die Abschussstrecke zu. Brachial packt das Magnetfeld des Linearen Synchron Motors den Wagen und katapultiert ihn auf den ersten Hügel zu. Wir sausen durch ein Tor im ägyptischen Stil, bevor es steil nach oben geht. Senkrecht steigt Anubis empor und überquert die freitragende Kuppel des Top Hat, nicht ohne eine erste ordentliche Portion Airtime zu spendieren. Im Sturzflug schrauben wir uns mit einer halben Rechtsdrehung wieder Richtung Boden. Die Schiene driftet etwas nach links und windet sich gleichzeitig in einen Immelmann hinein, wo sich der Zug kurz vor dem Scheitelpunkt auf den Kopf stellt, um sich dann mit einem halben Abwärtslooping wieder nach unten zu stürzen. Mit reichlich einsetzenden G-Kräften rast der Wagen durch die Senke, die sich zwischen dem Immelmann und der nun folgenden Kuppe bildet. Mit Schwung geht es wieder steil bergauf und über die enge Kuppe. Jetzt folgt ein ähnlicher Streckenabschnitt wie eben durchfahren, allerdings in umgekehrter Reihenfolge. Anubis fliegt die Kuppe mit Schwung hinab, durch die nächste Senke und erklimmt einen halben Looping, bevor sich der Wagen am oberen Scheitelpunkt aus der Kopfüberposition herausdreht. Diese Anordnung der Fahrelemente wurde von Gerstlauer auf den klangvollen Namen "Cow Hitch" getauft. In einer Linkskurve folgt Anubis dem vorgegebenen Weg nach oben in die Blockbremse. Mit einer abwärts führenden Linkskurve setzt sich der Ritt fort, über einen kleinen Hügel als Übergang in eine weit ausholende bodennahe Rechtskurve. Im Fluss der Kurve windet sich die Schiene einmal um die eigene Achse, um schließlich in der Schlussbremse zu münden. In gleichmäßigem Tempo schraubt sich der Wagen dabei durch die Schraube, welche unter dem Cow Hitch hindurchführt und kommt nach vollbrachter Drehung sanft zum stehen. Durch die aufgesprengten Mauern des Internats rollen wir wieder ins Innere des Haus Anubis.

Anubis
Anubis
Anubis
Anubis
Technische Daten
Hersteller:Gerstlauer Amusement Rides GmbH
Münsterhausen, Deutschland
Eröffnung:05.04.2009
Höhe:34 Meter
Länge:600 Meter
Topspeed:90 km/h
Beschleunigung:0 - 90 km/h in 2 Sekunden
Kapazität:700 Personen/h
Besonderes:Cow Hitch (Dive Loop, Immelmann),
Heartline-Spin
Anubis

Anubis

Anubis ist kurz und schnell. Die Bahn spult die Fahrelemente in einem unglaublichen Tempo ab. Der Abschuss ist enorm knackig und kraftvoll und gibt der Chaise genug Schwung mit, dass es uns auf dem Top Hat aus den Sitzen zieht. Auf dem Hügel zwischen Dive Loop und Immelmann fehlt es an Airtime, sonst wäre es ein toller Schlagabtausch der positiven und negativen G-Kräfte geworden. Die Inversionen werden jedoch trotz hohem Tempo weich durchfahren und machen Spaß. Punkten kann auch die Rolle vor der Schlussbremse, die sehr weich durchfahren wird. Auch optisch wirkt die dunkle türkisblaue Schiene auf den beigefarbenen Stützen edel.

Großer Kritikpunkt an Anubis ist der Ausstieg in der Station. Die Ausstiegsplattform ist sehr eng. Der Platz reicht hier kaum aus, um sich umzudrehen, wenn sechs Leute gleichzeitig versuchen, ihre Rucksäcke und Brillen aus der Ablage zu nehmen. Die Fahrgäste aus der ersten Reihe müssen sich obendrein noch an dem freundlichen Mitarbeiter vorbeidrängeln, der einem beim Einstieg die Taschen abgenommen hat. Da dauert das Entladen schon mal etwas länger, was natürlich auf Kosten der Kapazität geht. Auch das Ägyptische Tor im Plastiklook, durch das man beim Abschuss hindurchkatapultiert wird, will nicht so recht in das sonst sehr stilvolle Gesamtbild passen.

Abgesehen von diesen kleinen Kritikpunkten ist Anubis eine gelungene Neuheit für das Plopsaland. Der Hersteller Gerstlauer-Rides hat hier wieder eine Achterbahn auf gewohnt hohem Niveau abgeliefert. Wenn man sich die neuen Fahrelemente bei Anubis und den anderen neuen Stahlkunstwerken aus Münsterhausen anschaut, darf man auf zukünftige kreative Überraschungen aus dem Hause Gerstlauer sehr gespannt sein.

Rendering
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Rendering
Rendering
Text: Lifthill.net - ob, mg | Fotos: Lifthill.net | Renderings: Gerstlauer Amusement Rides GmbH